Wucherpreis für Ticketversand

Bundesgerichtshof kippt Preisklauseln in den AGB eines Onlineanbieters für Veranstaltungstickets

onlineurteile.de - Eine X-GmbH vertreibt über das Internet Eintrittskarten für Veranstaltungen. Teils vermittelt sie die Tickets nur, teils veranstaltet sie selbst Konzerte. Beim Bestellen wird dem Internetnutzer ein Normalpreis angezeigt und der Hinweis, dass darin die Service- und Versandkosten noch nicht enthalten sind. Legt der Kunde seine Tickets in den virtuellen Warenkorb, werden ihm verschiedene Versandmöglichkeiten angeboten.

Zur Auswahl stehen ein "Premiumversand" für zusätzlich 29,90 Euro ("inklusive Bearbeitungsgebühr"). Oder die Option "ticketdirect — das Ticket zum Selbstausdrucken". Dabei schickt der Onlineanbieter die Tickets als pdf-Datei an den Kunden, der sie zu Hause ausdrucken kann. Die Arbeit hat also der Kunde, der nichtsdestotrotz dafür eine "Servicegebühr" von 2,50 Euro berappen muss. So war es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der X-GmbH geregelt.

Der Bundesgerichtshof erklärte die Preisklauseln in den AGB des Onlineanbieters für unwirksam (III ZR 192/17). Versandhändler und Internetanbieter dürften beim Versenden von Ware dem Käufer nur die Versandkosten im engeren Sinne (Porto, Verpackung, eventuell Versicherung) auferlegen. Den Aufwand, der intern anfalle, um die Ware versandfertig zu machen, müssten die Unternehmen selbst tragen.

Im Einzelfall könne es zwar durch unterschiedlichen Aufwand für verschiedene Versandarten begründet sein, dafür auch unterschiedlich hohe Versandgebühren vorzusehen. Zum Geschäftsaufwand habe die X-GmbH aber nichts vorgetragen, was beim Premiumversand - der immerhin fast 30 Euro koste! - einen besonders großen Aufwand erklären würde. Vielmehr habe sie darauf beharrt, ihre Kalkulation nicht offen legen zu müssen.

Welchen Aufwand die X-GmbH mit der "Servicegebühr" von 2,50 Euro für die "ticketdirect"-Option geltend mache, sei ebenso wenig nachvollziehbar. Kunden druckten bei dieser Versandart nach der elektronischen Übermittlung die Eintrittskarten selbst aus, so dass weder Porto- noch Verpackungskosten anfielen. Die Übermittlung der pdf-Datei erfolge automatisiert per Mail an den Kunden, so dass völlig unerklärlich sei, welcher Geschäftsaufwand hier vergütet werden solle.