"World of Warcraft"

Landgericht Berlin erklärt AGB-Klauseln des Computerspiel-Anbieters für unwirksam

onlineurteile.de - Der Anbieter des Onlinespiels "World of Warcraft", Blizzard Entertainment, beherrscht neben der Kriegskunst offenbar auch die der Abzocke. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) erwies sich ebenfalls als wehrhaft und setzte beim Landgericht Berlin durch, dass eine Reihe von Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Unternehmens für unwirksam erklärt wurde (15 O 300/12).

Was dem vzbv missfiel: Schon nach einer einzigen fehlgeschlagenen Abbuchung von der Kreditkarte eines Kunden sollte diesem der Zugang zum Spiel fristlos und ohne vorherige Abmahnung gesperrt werden. Nach jeder Rücklastschrift ("aus welchen Gründen auch immer") drohte dem Kunden Rausschmiss und Löschung des Accounts.

Spieler flögen also auch dann 'raus, stellte das Landgericht fest, wenn es nur um einen minimalen Betrag gehe oder sogar dann, wenn die gescheiterte Abbuchung auf einem Fehler in der Buchhaltung des Anbieters beruhe. So eine Klausel sei überraschend und benachteilige die Kunden unangemessen.

Die Spieler hätten dagegen kaum eine Möglichkeit, sich vom Vertrag zu lösen. Sogar bei einem Totalausfall des Onlinespiels (Unterbrechung von mehr als 72 Stunden) dürften sie nur kündigen, wenn die Unterbrechung vorher nicht angekündigt wurde. Informiere der Spieleanbieter die Kunden im Voraus, entfalle das Kündigungsrecht — unabhängig von der Dauer des Ausfalls und selbst dann, wenn der Anbieter dafür verantwortlich sei.

Obendrein behalte es sich Blizzard Entertainment vor, die Vertragsbedingungen jederzeit nach Belieben zu verändern: Nutzungsbedingungen, Leistungen, Preise. Neue Gebühren dürfe der Anbieter einführen, wenn es ihm "nützlich" erscheine, um das Spielerlebnis zu verbessern. Auf Basis so einer dehnbaren "Gummi-Klausel" sei es quasi immer möglich. Auch diese Klausel sei unzulässig. (Das Unternehmen hat nach dem Urteil die beanstandeten AGB-Klauseln geändert.)