Wohnungseigentümer zahlte Fenstertausch selbst

Die eigentlich zuständige Eigentümergemeinschaft muss dem Eigentümer die Kosten nicht nachträglich ersetzen

onlineurteile.de - Die große Wohnanlage mit über 200 Eigentumswohnungen war 2005 noch überwiegend mit einfach verglasten Holzfenstern aus dem Baujahr 1972 ausgestattet. 2005 ließ Eigentümer A — wie zuvor schon einige andere Eigentümer — die Holzfenster in seiner Wohnung durch moderne, dreifach isolierte Kunststofffenster ersetzen. Der Fenstertausch kostete 5.500 Euro. Wie alle Eigentümer, die renoviert hatten, nahm auch A irrtümlich an, er müsse den Fenstertausch selbst finanzieren.

Dass das nicht zutraf, stand spätestens im März 2012 fest. Damals hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, die Renovierung von Gemeinschaftseigentum sei eine gemeinschaftliche Aufgabe der Wohnungseigentümer (V ZR 174/11). Als Eigentümer A davon erfuhr, verlangte er von der Eigentümergemeinschaft Kostenersatz. Doch seine Klage blieb in allen Instanzen bis hin zum BGH ohne Erfolg (V ZR 254/17).

Wie bei Instandsetzungsmaßnahmen des gemeinschaftlichen Eigentums zu verfahren sei, schreibe das Wohnungseigentumsgesetz genau vor, so der BGH. Darüber müsse die Eigentümergemeinschaft per Beschluss entscheiden, sie müsse die Maßnahmen auch finanzieren. Wenn ein einzelner Eigentümer eine bestimmte Maßnahme wünsche, müsse er also vorher einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft herbeiführen. Gelinge das nicht, müsse er/sie den Rechtsweg beschreiten.

Auch wenn A sich in diesem Punkt getäuscht und deshalb den Fenstertausch auf eigene Kosten durchgeführt habe: Anspruch auf Erstattung von der Eigentümergemeinschaft habe er nicht. Denn das liefe den Interessen der anderen Eigentümer zuwider. Zwar müssten Eigentümer stets damit rechnen, dass Mängel des Gemeinschaftseigentums zu unvorhersehbaren Ausgaben führten. Sie müssten aber nicht finanziell für längst abgeschlossene Renovierungsaktionen einzelner Eigentümer einstehen, auf die sie keinen Einfluss nehmen konnten.

Darüber hinaus hätten in einer großen Wohnanlage in so einem Fall viele Wohnungseigentümer einen Anspruch auf Kostenersatz. Der damit verbundene "Hin-und Her-Ausgleich" zwischen allen Betroffenen wäre mit hohem Berechnungsaufwand verknüpft, ohne dass sich zwangsläufig ein als gerecht empfundenes Ergebnis einstellen würde.