Wie oft darf der Nachbar grillen?

Das hängt im Wesentlichen vom Standort des Grills ab ...

onlineurteile.de - Hauseigentümer A grillt für sein Leben gern, im Sommer mindestens einmal wöchentlich. Dafür hatte er eigens einen Grillkamin angeschafft, der neben dem Zaun zum Nachbargrundstück fest installiert war. Qualm und Rauch der Holzkohle nervten den Nachbarn B. Dessen Schlafzimmer lag im dritten Stock des Mehrfamilienhauses nebenan, etwa neun Meter vom Grillkamin entfernt.

Nach einigem Zank am Zaun zog B vor Gericht und forderte, das Grillen einzuschränken: Rauch und Grillgerüche zögen konzentriert in sein Schlafzimmer und belästigten ihn und seine Frau erheblich. A dürfe seinen Grillkamin nur noch einmal im Monat und im gesamten Jahr höchstens fünf Mal anwerfen.

Das Amtsgericht Westerstede gab Herrn B grundsätzlich Recht, verdoppelte aber die "Grill-Quote" auf zwei Mal pro Monat und insgesamt zehn Mal pro Jahr (22 C 614/09). In den Sommermonaten sei es üblich, im Freien zu grillen. Die Belästigung dürfe zwar ein vertretbares Maß nicht überschreiten. Aber im Prinzip müssten es Nachbarn hinnehmen, gelegentlich eingeräuchert zu werden.

Bei einer Entfernung von immerhin neun Metern zwischen Grill und Nachbarhaus sei eine Quote von zwei Mal im Monat für das Ehepaar B zumutbar. Dann müssten sie halt gelegentlich am Abend Fenster und Balkontüre geschlossen halten. Es werde ja in der Regel nicht stundenlang gegrillt und der Rauch sei nur während der Anheizphase besonders intensiv.

Eine andere Forderung des B, das Grillen jeweils 48 Stunden vorher anzukündigen, lehnte das Amtsgericht rundweg ab. Das sei nicht praktikabel. Grillen im Freien funktioniere naturgemäß nur bei gutem Wetter. Das müsse Hausbesitzer A also nach Wetterlage auch spontan entscheiden können.

Man könne von ihm nicht verlangen, weit im Voraus Wetterprognosen zu studieren, das Regenrisiko zu kalkulieren und dann jedes Mal auf Verdacht alle Nachbarn im Mehrfamilienhaus zu verständigen.