"Wetten aufs Wetter"

Werbeaktion eines Möbelhauses war kein unzulässiges Glücksspiel

onlineurteile.de - Ein Möbelhaus ging mit einer außergewöhnlichen Werbeaktion auf Kundenfang: "Sie bekommen den Kaufpreis zurück, wenn es am … regnet", verkündete das Unternehmen in einem Werbeflyer. Jeder Kunde, der im Aktionszeitraum Waren für mindestens 100 Euro kaufte, bekam sein Geld zurück — vorausgesetzt, es regnete am festgelegten Stichtag zwischen 12 und 13 Uhr am Flughafen Stuttgart (Mindestniederschlagsmenge drei Liter pro Quadratmeter).

Das Regierungspräsidium Karlsruhe beanstandete die Werbeaktion als unzulässiges öffentliches Glücksspiel. Der gezahlte Kaufpreis sei als "Entgelt für den Erwerb einer Gewinnchance" anzusehen: Ohne Warenkauf keine Gewinnchance. Kunden würden so verlockt, im Möbelhaus wegen eines möglichen Gewinns einzukaufen, der allein vom Zufall abhänge.

Gegen das Verbot der Behörde klagte das Möbelhaus und setzte sich beim Bundesverwaltungsgericht durch (8 C 7.13). Dass die Kunden für den Erwerb der Gewinnchance zahlten, treffe nicht zu, urteilten die Bundesrichter. Vielmehr kauften sie ein Möbelstück oder andere Gegenstände zu einem marktgerechten Preis. Verbraucher hätten auch im Aktionszeitraum die Möglichkeit, Preisvergleiche anzustellen und die Qualität der Möbel anderer Anbieter zu begutachten.

Niemand verliere sein Geld: Wer etwas kaufe, könne die Ware unabhängig von der Gewinnaktion behalten. Hätte das Möbelhaus im Aktionszeitraum die Preise erhöht, könnte man das als "verdecktes Entgelt für den Erwerb einer Gewinnchance" werten. Die Preise seien jedoch gleich geblieben. "Wetten aufs Wetter" stelle daher kein Glücksspiel dar.