Wenn der Muezzin ruft

Bei einer Türkeireise sind Gebetsrufe um sechs Uhr früh kein Reisemangel

onlineurteile.de - Ein Mann hatte für sich und seine Partnerin bei einem Reiseunternehmen eine Pauschalreise in die Türkei gebucht. Für insgesamt 2.258 Euro ging es All-Inclusive nach Doganbey. Dort angekommen, stellten die Urlauber zu ihrer großen Überraschung fest, dass sie in ein Land gereist waren, dessen Bewohner überwiegend Muslime sind.

Mehrmals täglich rief der Muezzin die Gläubigen des Ortes zum Gebet, die Moschee lag nicht weit vom Hotel entfernt. Diese Geräuschkulisse störte die beiden Urlauber so sehr, dass sie nach ihrer Rückkehr vom Reiseveranstalter einen Teil des Reisepreises zurückforderten.

Die mit Lautsprechern verstärkten Rufe hätten jeden Tag schon um sechs Uhr früh begonnen, beanstandeten die Reisenden. Sie hätten überhaupt nie ausschlafen können.

Doch das Amtsgericht Hannover verneinte einen Reisemangel und wies ihre Klage ab (559 C 44/14). Gebetsrufe des Muezzins seien in einem islamischen Land wie der Türkei ebenso landestypisch wie es das Läuten von Kirchenglocken in einem christlichen Land sei, so das Gericht.

Der Beschreibung im Reisekatalog hätten die Urlauber entnehmen können, dass ihr Hotel im Ortskern von Doganbey liege. In einem Ortszentrum müsse man immer auch mit landestypischen Geräuschen rechnen. Das stelle keine mangelhafte Leistung des Reiseveranstalters dar, die eine Minderung des Reisepreises rechtfertigen würde.