Vulkanausbruch in Costa Rica

Reiseveranstalter muss Reisepreis zurückzahlen: Kündigung der Kunden war wirksam

onlineurteile.de - Im März 2015 wollte ein Ehepaar aus Aschaffenburg zwei Wochen Urlaub in Costa Rica verbringen. Die Rundreise mit einem Mietwagen hatten die Kunden bei einem Münchner Veranstalter gebucht. Sie führte am Vulkan Turrialba vorbei in einen Nationalpark und in die Hauptstadt San José — so jedenfalls der Plan. Doch zwei Tage vor dem Hinflug brach der Vulkan Turrialba aus.

Seine Aschewolke breitete sich bis zur 80 km entfernt liegenden Hauptstadt San José aus. Der Flugverkehr wurde stundenlang gestoppt, Dörfer evakuiert, die Zufahrt zum Nationalpark gesperrt. Die Stadtbewohner forderte man auf, ihre Augen vor der Asche zu schützen. Das Auswärtige Amt empfahl Reisenden, im Freien eine Atemmaske zu tragen, weil die Asche die Augen reize und zu Atembeschwerden führe. Am letzten Tag vor der Abreise kündigte das Ehepaar den Reisevertrag.

Der Reiseveranstalter erstattete nur einen Teilbetrag von 834 Euro mit der Begründung, die Kunden hätten die Reise komplett durchführen können. Der Vulkanausbruch habe nur eine kleine Region betroffen, der die Reisenden mit dem Mietwagen problemlos hätten ausweichen können. Mit "höherer Gewalt" sei die Kündigung nicht zu rechtfertigen, weil es hier nicht um eine unvorhersehbare Gefahr ging. Schließlich müsse man in einem Land wie Costa Rica mit zehn — davon vier aktiven — Vulkanen immer mit einem Ausbruch rechnen.

Damit war das Amtsgericht München nicht einverstanden (133 C 21869/15). Beim Turrialba gebe es immer auch längere Perioden ohne Ausbruch. Dass so ein Ereignis im März 2015 stattfinden würde, damit mussten die Kunden keineswegs kalkulieren. Reisende dürften in so einem Fall von Gefahr ausgehen. Das gelte auch dann, wenn sie vor der Kündigung nicht alle Berichte überprüfen und feststellen konnten, ob die Medien die Ereignisse wahrheitsgetreu schilderten oder übertrieben. Immerhin habe das Ehepaar Kontakt mit einem in Costa Rica lebenden Bekannten aufgenommen, der alle Berichte über den Ausbruch bestätigt habe.

Vulkanasche sei von Winden großflächig verteilt worden. Das beeinträchtige die Sichtverhältnisse und den Straßenverkehr. Das Einatmen feiner vulkanischer Asche bringe gesundheitliche Probleme mit sich, Gase reizten die Augen. Jederzeit habe man damit rechnen müssen, dass Behörden den Flughafen aufgrund der Konzentration der Vulkanasche in der Atmosphäre sperrten. Unter diesen Umständen sei eine Reise dorthin unzumutbar. Zu Recht habe das Ehepaar den Vertrag gekündigt, der Veranstalter müsse den vollen Reisepreis zurückzahlen.