Von abwärts rollendem "Mini" überrollt

Bei dem Versuch, das fahrerlose Auto aufzuhalten, wird ein Mann schwer verletzt: Eigenverschulden überwiegt

onlineurteile.de - Frau A fuhr mit ihrem BMW Mini die Einfahrt zum Wohnhaus hinauf. Sie stieg aus und begrüßte ihren Lebensgefährtin, der vor dem Haus auf sie wartete. Es wäre besser, das Auto woanders zu parken, meinte er. Genau in diesem Moment begann der Mini, die abschüssige Einfahrt rückwärts hinunterzurollen. Spontan sprang der Mann hinter das Auto und versuchte es aufzuhalten, indem er sich dagegen stemmte. Doch der Wagen überrollte ihn und schleifte ihn etwa 20 Meter weit mit.

Der schwer verletzte Mann musste wiederbelebt werden. Von der Kfz-Haftpflichtversicherung der Lebensgefährtin forderte er Schmerzensgeld und Ersatz aller aktuellen und zukünftigen Schäden. Das Landgericht (LG) Köln ging von überwiegendem Eigenverschulden des Verunglückten aus: Der Versicherer müsse deshalb nur für 30 Prozent der Schäden einstehen, lautete das Urteil.

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln wies die Berufung des Mannes ab und bestätigte die Entscheidung des LG (6 U 234/18). Wer sich in Sandalen einem bergab rollenden Auto entgegenstelle und verletzt werde, müsse sich erhebliches Eigenverschulden vorwerfen lassen, so das OLG. Auch wenn es ein Kleinwagen sei: Aufgrund des Gewichts des Autos, das sich selbständig in Bewegung gesetzt habe, und bei dem Gefälle der Auffahrt hätte dem Mann klar sein müssen, dass er den Mini nicht aufhalten konnte.

Allerdings sei seine objektiv falsche Reaktion verständlich, weil er total erschrocken sei und eine "Augenblicksentscheidung" getroffen habe. Der Mann habe spontan reagiert und eingegriffen, ohne nachzudenken. Deshalb und weil die Lebensgefährtin und Kfz-Halterin entscheidend zum Unfall beigetragen habe, entfalle die Haftung des Kfz-Versicherers nicht ganz. Denn die Frau sei aus dem Auto ausgestiegen, ohne den Mini gegen Wegrollen zu sichern.