Unfall vor der Bäckerei

Arbeitnehmer will auf dem Weg in die Arbeit "Brotzeit" holen: Greift bei einem Sturz die gesetzliche Unfallversicherung?

onlineurteile.de - Ein Angestellter fuhr mit dem Auto zur Arbeit. Gegenüber von einer Bäckerei hielt er kurz an, um für die Arbeitspause belegte Semmeln zu besorgen. Der Mann überquerte die Straße und sah im Laden eine lange Schlange wartender Kunden. Um nicht zu spät ins Büro zu kommen, kehrte er sofort um. Dabei übersah der Mann den Randstein, stolperte und verletzte sich beim Sturz an der linken Schulter.

Vergeblich beantragte er Leistungen von der Berufsgenossenschaft. Die Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung war der Ansicht, hier liege kein Arbeitsunfall vor, weil der Angestellte seine Fahrt zur Arbeitsstelle unterbrochen habe. Auf dem Weg zur Bäckerei sei er nicht unfallversichert: Wer etwas einkaufe, tue das im eigenen Interesse und nicht berufsbedingt. Selbst dann, wenn es um Brotzeit für die Arbeitspause gehe.

Der Arbeitnehmer wehrte sich gegen diese Abfuhr und bekam vom Landessozialgericht München Recht (L 3 U 402/13). Wer aus privaten Gründen den direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle verlasse, stehe nicht unter Versicherungsschutz, räumten die Richter ein. Im konkreten Fall habe der Versicherte die Fahrt unterbrochen, um Semmeln zu kaufen. Der Kauf von Lebensmitteln sei privater Natur und nicht versichert.

Der Versicherungsschutz beginne aber wieder, wenn der Versicherte die private Aktion "Einkauf" beende und den Weg zur Arbeit fortsetze. Wesentlich sei hier also die Frage: Wann endet die Unterbrechung des Arbeitswegs? Das sei nicht unbedingt erst dann der Fall, wenn der Versicherte wieder ins Auto einsteige.

Der Angestellte habe glaubhaft versichert, dass er nicht vorhatte, ein anderes Lebensmittelgeschäft aufzusuchen. Also habe er sich bereits in dem Moment wieder in Richtung Arbeitsplatz bewegt, als er sich auf dem Fußweg vor der Bäckerei umdrehte. Damit habe er sich wieder seinem eigentlichen Ziel zugewandt. Deshalb sei sein Sturz als Arbeitsunfall anzuerkennen. (Die Berufsgenossenschaft hat gegen das Urteil Revision zum Bundessozialgericht eingelegt.)