Trinkwette endet tödlich

Die Alkohol ausschenkende Wirtin trifft keine Schuld

onlineurteile.de - Ein Automechaniker ging in seiner Stammkneipe "Zur guten Laune" mit einem anderen Gast eine Wette ein. Beide nahmen sich vor, innerhalb von zwanzig Minuten zwanzig "Asbach-Uralt" zu trinken. Sieger sollte der sein, der sich länger auf den Beinen halten konnte. Die Gastwirtin weigerte sich zunächst, den Alkohol auszugeben. Der Automechaniker packte sie jedoch am Kittel. Dann gab sie nach und füllte die geforderte Menge in je drei Kognakschwenker. Der Automechaniker fiel nach dem zweiten Glas zu Boden.

Noch in der Nacht wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er am Morgen verstarb. Seine Sozialversicherung musste nun für die Hinterbliebenen zahlen und verlangte von der Gastwirtin Schadenersatz: Sie hätte den Alkohol nicht ausschenken dürfen. Das Oberlandesgericht Saarbrücken konnte jedoch keinerlei Mitverschulden der Gastwirtin an dem Tod des Gastes erkennen (4 U 381/93-71).

Das Gaststättengesetz verbiete zwar die Abgabe geistiger Getränke an erkennbar Betrunkene. Der Automechaniker sie bei Beginn der Wette jedoch höchstens leicht angetrunken gewesen. Nach Aussage von Zeugen habe er über den Tag verteilt einige "kleine" Biere getrunken. Die Gefahren des Alkohols seien im übrigen bekannt und würden von der Gesellschaft in Kauf genommen. Die Wirtin betreibe außerdem ein Gewerbe und dürfe daher beim Alkoholausschank an ihr wirtschaftliches Interesse denken. Zu berücksichtigen sei auch, dass sie sich zunächst geweigert habe, Alkohol auszuschenken und erst nachgegeben habe, als der Gast handgreiflich geworden sei. Der Automechaniker habe seinen Tod selbst verschuldet.