Taxifahrer angeschossen

Gewalttätige Attacke auf einen Taxifahrer ist unter Umständen als Arbeitsunfall zu bewerten

onlineurteile.de - Ein Taxifahrer unterhielt sich am Taxistand mit Kollegen, als sich zwei fremde Männer schreiend näherten. Da streiten sich zwei Kneipenbesucher, dachte der Taxifahrer. Sie sollten ruhig sein und abhauen, sagte er zu den Männern. Da zog einer der Männer eine Schusswaffe und zielte auf den Taxifahrer, ohne zu schießen.

Der Taxifahrer ging weiter auf ihn zu und wiederholte "haut ab". Nun lud der Mann die Pistole durch und schoss den Taxifahrer in den Bauch. Dafür kam der Täter wegen versuchten Mordes acht Jahre ins Gefängnis, während der Taxifahrer den Kampf um Leistungen von der gesetzlichen Unfallversicherung aufnehmen musste.

Denn die Berufsgenossenschaft wollte seine Schussverletzung nicht als Arbeitsunfall anerkennen. Eventuell habe der Versicherte die Anwohner vor dem Geschrei bewahren wollen. Auf jeden Fall habe sich der Fahrer selbst in Gefahr gebracht, weil er trotz der Bedrohung mit der Waffe nicht zurückgewichen sei. Mit seiner versicherten Tätigkeit als Taxifahrer habe diese nächtliche Auseinandersetzung nichts zu tun, so die Berufsgenossenschaft.

Gegen diesen Vorwurf wehrte sich der Verletzte: Er habe die beiden Männer als mögliche Kunden angesehen und schon deshalb mäßigen wollen, weil lärmende Typen am Taxistand andere Kunden abschreckten. Im Übrigen habe er in der Dunkelheit die Pistole nicht erkannt und angenommen, der habe einen Elektroschocker in der Hand.

Das Landessozialgericht Darmstadt ergriff die Partei des Opfers und stufte den Überfall als versicherten Arbeitsunfall ein (L 9 U 41/13). Der Mann habe sich keineswegs so leichtsinnig und unvernünftig verhalten, dass man seine Risikobereitschaft als Hauptursache für die Schussverletzung einstufen könnte. Der Taxifahrer sei davon ausgegangen, der Unbekannte halte einen Elektroschocker. Dass er sich der Gefahr aussetzte, niedergeschossen zu werden, sei ihm nicht bewusst gewesen.

Ein privates Motiv für die Attacke sei nicht ersichtlich, der Taxifahrer habe aus "betriebsbezogenen Gründen gehandelt". Potenzielle Kunden sollten nicht durch das Gebrüll der beiden Männer abgeschreckt werden. Mit seinem Eingreifen habe der Fahrer einen störungsfreien Taxibetrieb sicherstellen wollen.