Tauben füttern verboten!

Wohnungseigentümer darf auf seinem Balkon keine Vögel anlocken und füttern

onlineurteile.de - Herr F besitzt in München eine Eigentumswohnung mit Balkon. Dort stellte er regelmäßig Wasserschalen als Vogeltränken auf den Boden und hängte Vogelfutter auf: Meisenknödel und Behälter mit Sonnenblumenkernen. In Blumenkästen legte der Wohnungseigentümer für die Vögel Rosinen aus. Von diesem schönen Angebot machten täglich viele Tauben Gebrauch … Doch in der Hausordnung stand geschrieben: "Das Füttern von Tauben und Möwen auf dem Grundstück oder von Wohnungen aus ist nicht gestattet".

Auf dieses Verbot pochte die Eigentümergemeinschaft: Herr F müsse das Füttern einstellen. Dach und Balkon seien total verdreckt. Zudem übertrage Taubenkot Keime und Krankheiten: Auch die Stadt München habe es deshalb verboten, Tauben zu füttern.

Null Problemo, fand der Vogelfreund: Er reinige den Balkon jeden Tag mit einem Spachtel und streue Kalkpulver, um Schäden vorzubeugen. Die Behauptung, dass Taubenkot Krankheiten auslöse, sei reine Panikmache.

So einfach dürfe es sich der Wohnungseigentümer nicht machen, erklärte das Amtsgericht München (485 C 5977/15 WEG). Das Gericht schlug sich auf die Seite der Eigentümergemeinschaft und untersagte es dem Vogelfreund, mit Vogelfutter und anderen Lebensmitteln auf dem Balkon verwilderte Tauben zu "ködern" und zu füttern. Abgesehen davon, dass die Hausordnung dieses Treiben verbiete: Mitglieder einer Eigentümergemeinschaft müssten aufeinander Rücksicht nehmen.

Dagegen verstoße Herr F nachhaltig, indem er Behälter mit Trinkwasser aufstelle und obendrein Behälter, die sich zum Nisten und Brüten eigneten. Auf diese Weise locke er Tauben in unkontrollierbarer Zahl an. Nach allgemeiner Lebenserfahrung führe das zu einer Menge Dreck, und das betreffe nicht nur sein Sondereigentum, sondern auch Gemeinschaftseigentum sowie Balkone und Terrassen von Miteigentümern.

Dass die "Hinterlassenschaften" von Tauben ein Gesundheitsrisiko darstellten, sei keine Panikmache, sondern zutreffend: Taubenkot und von Tauben transportierte Parasiten (Zecken, Flöhe) verbreiteten eine Menge Krankheitserreger.