Stromschlag durch Außenleuchte

Bauarbeiter wird zum Pflegefall: Für Pfusch haftet unter Umständen auch ein "Nachbarschaftshelfer"

onlineurteile.de - Die Hauseigentümerin hatte eine Handwerksfirma mit Fassadenarbeiten beauftragt. Dabei ereignete sich der folgenschwere Unfall. Der 46-jährige Arbeiter T stand auf einem Metallgerüst und stieß gegen das Gehäuse einer Außenlampe am Hauseingang. Wegen eines Montagefehlers stand die Lampe unter Strom.

T erlitt durch den Stromschlag einen irreparablen Hirnschaden. Er ist seither zu 100 Prozent behindert und pflegebedürftig. In seinem Namen forderte die Familie Schmerzensgeld und lebenslange Rente von der Hauseigentümerin, aber auch vom Nachbarn, der die Lampe montiert hatte.

Die Hauseigentümerin hatte den Nachbarn, Elektriker von Beruf, gebeten, die Außenbeleuchtung zu installieren und zu verkabeln. Diesen Gefallen hatte er ihr getan, ohne dafür Entgelt zu berechnen.

Deshalb sollte der Elektriker nach dem Urteil des Landgerichts nicht für die Folgen seines Fehlers haften: Hier gehe es um eine Gefälligkeit unter Nachbarn. Entschädigung stehe dem Bauarbeiter nur von der Auftraggeberin der Fassadenarbeiten zu.

Doch das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz beurteilte den Fall anders (5 U 311/12). Hier sei wegen schlampiger Montage eine Person schwer geschädigt worden, so das OLG. Da könne man den Nachbar nicht alleine deswegen, weil er unentgeltlich geholfen habe, von der Haftung befreien.

Bei seinen Messungen nach der Montage der Lampe habe der Elektriker fahrlässig übersehen, dass die Außenleuchte Strom führte. Der Nachbar habe im Inneren des Hauses einen Nagel eingeschlagen, dabei versehentlich den Schutzleiter des Lampenkabels durchtrennt und so eine stromführende Verbindung zum Lampengehäuse hergestellt.

Die Hauseigentümerin habe ihn als erfahrenen Elektriker eingeschätzt, was er auch sei. Daher wisse er sehr gut, was für eine Gefahr von einer fehlerhaft installierten Außenlampe ausgehe. Außenlampen müsse man regelmäßig reinigen, also auch anfassen. Zudem habe der Nachbar gewusst, dass das Haus demnächst für Dach- und Fassadenarbeiten eingerüstet werden würde.

Natürlich habe die Hauseigentümerin darauf vertraut, dass alle Personen sicher seien, die in ihrem Auftrag mit der Lampe in Berührung kommen. Auch das sei für den Nachbarn erkennbar gewesen. Nicht zuletzt sei zu berücksichtigen, dass der Elektriker für solche Fälle eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen habe.