Streik bei der Flughafen-Sicherheitskontrolle

BGH: So ein Streik macht es für eine Fluggesellschaft nicht unbedingt notwendig, einen Flug zu annullieren

onlineurteile.de - Im Februar 2015 wollte ein Ehepaar von Hamburg nach Lanzarote fliegen. Am Reisetag bestreikte das Personal die Passagierkontrollen am Hamburger Flughafen. Aus diesem Grund annullierte die Fluggesellschaft kurzerhand den Flug und überführte die Maschine ohne Passagiere zum Zielort. Das Ehepaar, das rechtzeitig am Gate eingetroffen war, hatte das Nachsehen und forderte von der Airline Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung.

Das Landgericht Hamburg wies die Klage ab, weil es davon ausging, dass das Flugunternehmen den Flug aufgrund "außergewöhnlicher Umstände" annullieren durfte: Von den massiven Störungen an den Kontrollstellen seien zahlreiche Passagiere des Flugs nach Lanzarote betroffen gewesen, die nicht (rechtzeitig) hätten kontrolliert werden können. Außerdem habe der riesige Andrang an den wenigen offenen Kontrollstellen dazu geführt, dass die Passagiere nicht so sorgfältig wie nötig kontrolliert wurden. Also habe auch ein Sicherheitsrisiko bestanden.

Ein Streik der Beschäftigten an den Passagierkontrollen könne im Prinzip schon einen "außergewöhnlichen Umstand" darstellen, dem eine Fluggesellschaft quasi "ausgeliefeseien nicrt" sei, räumte der Bundesgerichtshof ein (X ZR 111/17). Aber die Feststellungen des Landgerichts belegten nicht, dass das auch im konkreten Fall zutreffe. Warum die Airline mit den Folgen des Ausstands in Hamburg nicht anders umgehen konnte und den Flug unbedingt absagen musste, sei nicht ersichtlich.

Wenn ein Teil der Passagiere die Sicherheitskontrollen wegen des Streiks nicht rechtzeitig passieren könne, zwinge das die Fluggesellschaft keineswegs dazu, den Flug zu annullieren. Dass streikbedingt kein einziger Fluggast den Flug zum vorgesehenen Zeitpunkt habe erreichen können, sei durch die Fakten widerlegt.

Auch das Argument "Sicherheitsrisiko" überzeuge nicht: Die Fluggäste und ihr Gepäck zu kontrollieren, sei Sache der zuständigen Luftsicherheitsbehörde und ihrer Mitarbeiter. Eine Fluggesellschaft dürfe einen Flug nicht wegen Sicherheitsbedenken absagen, wenn für ein konkretes Risiko keine tatsächlichen Anhaltspunkte vorlägen. Diese festzustellen, obliege nur der Luftsicherheitsbehörde. Den Fluggästen stehe daher eine Ausgleichszahlung zu.