Steinterrasse vergrößert

Eigentümergemeinschaft der Wohnanlage setzt Rückbau der Terrasse durch

onlineurteile.de - Ein Ehepaar bewohnte im Erdgeschoss der Wohnanlage eine Terrassenwohnung. Im Frühjahr 2015 vergrößerten die Eigentümer ihre Steinterrasse, für die ihnen ein Sondernutzungsrecht zustand. Im Grundriss der Wohnanlage war die Terrassenfläche mit 5,53 qm angegeben, nach dem Ausbau war sie fast doppelt so groß, zwölf qm. Die Eigentümergemeinschaft beschloss auf einer Versammlung mit Mehrheit, den Rückbau zu verlangen.

Begründung: Die Terrasse sei aus jedem Fenster der darüber liegenden Wohnungen zu sehen, sie beeinträchtige die Optik der Anlage. Außerdem sei zu befürchten, dass die größere Fläche auch intensiver genutzt werde. In den Sommermonaten müssten die Miteigentümer dann mit mehr Belästigung durch Lärm, Grillgerüche etc. rechnen. Die bauliche Veränderung sei nicht genehmigt worden und daher unzulässig.

Das Ehepaar fand die Bedenken abwegig, Miteigentümer könnten durch mehr Terrassenfläche gestört werden. Außerdem hätten auch andere Miteigentümer Anbauten errichtet: zusätzliche Terrassendächer, Schuppen zum Unterstellen von Fahrrädern, Sichtschutz an den Terrassen — von den zahlreichen Satellitenschüsseln ganz zu schweigen. Gegen keine dieser baulichen Maßnahmen sei die Eigentümergemeinschaft bisher eingeschritten. Also habe sie auch in Bezug auf die Terrasse keinen Anspruch auf Rückbau.

Mit diesem Argument war das Amtsgericht München nicht einverstanden: Es gebe "keine Gleichheit im Unrecht" (485 C 5290/18 WEG). Bauliche Veränderungen seien prinzipiell nur mit Zustimmung aller Eigentümer zulässig. Durch ungenehmigte Veränderungen beeinträchtigte Wohnungseigentümer seien aber nicht verpflichtet, gegen alle "Störer" in gleicher Weise vorzugehen.

Bisher habe es praktisch keine Lärmbelästigungen oder andere Störungen gegeben. Objektiv sei dies aber möglich: Denn eine größere Terrassenfläche erlaube es den Bewohnern, die Terrasse intensiver zu nutzen. Allein die Tatsache, dass diese Möglichkeit bestehe, beeinträchtige die Miteigentümer. Sie müssten den Ausbau nicht hinnehmen und zwar unabhängig davon, ob das Ehepaar nun wirklich Grillfeste plane oder nicht.

Außerdem wirke sich die Veränderung objektiv nachteilig auf das äußere Erscheinungsbild der Wohnanlage aus. Hier gelte ein strenger Maßstab: Die Rechtsprechung gehe grundsätzlich vom Interesse der Eigentümer aus, das äußere Erscheinungsbild beizubehalten. Eine nachteilige Veränderung sei daher schon dann anzunehmen, wenn sie von außen wahrnehmbar sei. Die Fotos der Wohnanlage zeigten, dass die Terrasse jedenfalls von den darüber liegenden Balkonen aus sehr ins Auge falle.