Stammarbeitnehmer entlassen

Die Kündigung ist unwirksam, wenn der Arbeitgeber kontinuierlich Leiharbeiter einsetzt

onlineurteile.de - Ein Automobilzulieferer beschäftigte 106 Arbeitnehmer und sechs Leiharbeitnehmer. Da der Autohersteller die Produktion einschränken musste und die Aufträge für den Zulieferer entsprechend schrumpften, wollte auch dieses Unternehmen Personal abbauen: Es kündigte einigen fest angestellten Arbeitnehmern wegen fehlender Aufträge.

Sie erhoben Kündigungsschutzklage: In den letzten zwei Jahren habe der Arbeitgeber im Betrieb sechs Leiharbeitnehmer eingesetzt und das (einmal abgesehen von Weihnachtsferien oder Werksferien) kontinuierlich. Solange im Betrieb "alternative Beschäftigungsmöglichkeiten" vorhanden seien, sei eine betriebsbedingte Kündigung von Teilen der Stammbelegschaft unzulässig.

Der Arbeitgeber pochte darauf, dass er die Leiharbeitnehmer als Personalreserve benötige. "Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten" für die gekündigten Mitarbeiter gebe es im Betrieb nicht.

Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht Köln stellten sich auf die Seite der Arbeitnehmer (5 Sa 14/20). Der Arbeitgeber könne sie sehr wohl auf den Arbeitsplätzen der Leiharbeitnehmer beschäftigen.

Denn der Automobilzulieferer habe die Leiharbeitnehmer fortlaufend eingesetzt — und keineswegs nur als Personalreserve für den Fall, dass jemand vorübergehend vertreten werden müsse. Wenn der Arbeitgeber damit krankheitsbedingte Ausfälle kompensiert haben sollte, dann sei der Umfang dieser Ausfälle offenbar konstant. Das Unternehmen decke mit der Leiharbeit also keinen kurzfristig schwankenden Bedarf ab, sondern einen ständig vorhandenen Bedarf an Arbeit. Unter diesen Umständen dürfe es aber keine Stammarbeitnehmer wegen Auftragsmangels entlassen.