Schwerhörig durch Großraumbüro?

Ingenieur will Hörprobleme als Berufskrankheit anerkennen lassen

onlineurteile.de - Ein 48 Jahre alter Ingenieur arbeitet seit über 15 Jahren in einem Großraumbüro der Bosch GmbH. 2012 erkrankte er an Tinnitus und sein Gehör verschlechterte sich an beiden Ohren im Hochtonbereich. Der Angestellte informierte den Arbeitgeber, der daraufhin Lärmmessungen im Großraumbüro anordnete. Sie ergaben allerdings nur einen Geräuschpegel zwischen 50 dB und 65 dB.

Von der Berufsgenossenschaft — die Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung ist auch für Berufskrankheiten zuständig — verlangte der Mann Entschädigung für seine Schwerhörigkeit. Doch die für ihn zuständige Berufsgenossenschaft (Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) lehnte es wegen der "geringfügigen Messwerte" ab, die Hörprobleme als Berufskrankheit anzuerkennen.

Der medizinische Sachverständige der Berufsgenossenschaft erklärte, die Lärmbelastung im Großraumbüro sei viel zu gering, um Schwerhörigkeit zu verursachen. Das Gehör des Ingenieurs habe sich altersgemäß etwas verschlechtert, das sei nicht ungewöhnlich. Unter Ohrgeräuschen (Tinnitus) litten drei bis vier Millionen Deutsche aus unterschiedlichen Gründen. Mit dem Büro habe das nichts zu tun.

Ohne Erfolg verklagte der Angestellte die gesetzliche Unfallversicherung auf Leistungen: Das Landessozialgericht Stuttgart gab der Berufsgenossenschaft Recht (L 6 U 4089/15). Eine so genannte Lärmschwerhörigkeit könne sich nur entwickeln, wenn der Betroffene einer hohen und lang andauernden Lärmbelastung ausgesetzt sei. Das könne man im konkreten Fall verneinen.

Nach langjährigen Studien und wissenschaftlichen Erkenntnissen sei davon auszugehen, dass Lärm von mehr als 85 dB(A) das Gehör schädige — vorausgesetzt, er wirke als Dauerschallpegel bei einem Achtstundentag über viele Arbeitsjahre auf das Gehör ein. Dieser Wert werde im Großraumbüro von Bosch bei weitem nicht erreicht. Die Berufstätigkeit des Ingenieurs sei nicht die Ursache seiner Hörprobleme.