Schwankendes Schiff bringt Urlauberin zu Fall

Reiseveranstalter soll für Unfall im Fitnessstudio eines Kreuzfahrtschiffes bei rauer See haften

onlineurteile.de - Im April 2015 unternahm Frau W eine vierwöchige Kreuzfahrt. An einem Tag mit stürmischer See suchte sie das bordeigene Fitnessstudio auf. Frau W stieg auf ein Laufband, da sagte ihr der vorherige Nutzer, er werde es noch schnell desinfizieren. Als sie herunterstieg, schwankte plötzlich das Schiff. Die Sportlerin stolperte und stürzte auf ihre Hüfte. Der Schiffsarzt (und nach der Reise ihr Hausarzt) diagnostizierte nur eine Zerrung des Oberschenkels, doch die Schmerzen hielten an.

Bei einer MRT-Untersuchung stellte sich heraus, dass eine Hüftpfanne und ein Kreuzbein gebrochen waren. Nun verklagte Frau W den Veranstalter der Kreuzfahrt auf Schmerzensgeld und Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden: Er hätte das Fitnessstudio am Unfalltag wegen starken Seegangs sperren, zumindest vor dem Sturzrisiko warnen müssen, meinte die Kundin. Zudem habe der Schiffsarzt die Beckenringfraktur verkannt.

Das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz wies die Klage ab (5 U 351/18). Vor offensichtlichen Gefahren müssten Reiseveranstalter nicht warnen, so das OLG. Der Schiffsreisenden habe klar sein müssen, dass ein Schiff bei hohem Wellengang schwanke. Da müsse man sich eben an Bord vorsichtig bewegen und sich Halt verschaffen. Der Veranstalter sei nicht verpflichtet, bei Wellengang das Fitnessstudio zu schließen.

Letztlich habe sich sowieso nicht das Risiko verwirklicht, das mit der Nutzung von Trainingsgeräten bei rauer See verbunden sei. Der Unfall sei nur zufällig im Fitnessstudio geschehen. Denn Frau W sei wegen der ruckartigen Bewegung des Schiffes gestürzt und nicht beim Laufen auf dem Gerät. Passagiere, die nicht aufpassten, könnten bei hohem Wellengang überall auf dem Schiff straucheln und stürzen.

Für die falsche Diagnose des Schiffsarztes müsse der Reiseveranstalter erst recht nicht haften — der sei kein Mitarbeiter, dessen Fehler sich das Unternehmen zurechnen lassen müsste. Der Mediziner biete auf eigene Rechnung während der Kreuzfahrt eine zusätzliche Leistung an, die nicht zu den im Vertrag vereinbarten Reiseleistungen zähle. Wenn Frau W Schmerzensgeld für die Folgen der Fehldiagnose beanspruchen wolle, müsse sie den Schiffsarzt und ihren Hausarzt verklagen.