Schüler mit emotionaler Störung

Verwaltungsgericht bewilligt finanzielle Hilfe für die Kosten einer Privatschule

onlineurteile.de - Als der Junge zehn Jahre alt war und in der Grundschule die 5. Klasse besuchte, wurde er in einer Fachklinik für Kinderpsychiatrie behandelt. Die Ärzte bescheinigten ihm Entwicklungsstörungen, eine Aufmerksamkeitsstörung (ADS) und soziale Defizite. An der Schule führte er ein Außenseiterdasein ohne Freunde. Daher sollte das Kind auf Anraten der Ärzte die Schule wechseln.

Die Eltern beantragten bei der für Jugendhilfe zuständigen Sozialbehörde finanzielle Unterstützung: Der Wechsel auf eine Privatschule mit spezieller Förderung sei notwendig, denn die Grundschule gehe auf die Probleme des Jungen nicht ein. Wiederholt hätten sie um Förderunterricht gebeten, fast immer erfolglos. Um die Schwierigkeiten im Kontakt mit Mitschülern kümmere sich die Schule überhaupt nicht.

Doch die Sozialbehörde winkte ab: Finanzielle Unterstützung ("Eingliederungshilfe") gebe es nur für Schüler mit seelischer Behinderung. Der Junge sei aber nicht emotional gestört. Er habe nur Lernschwierigkeiten, die auf mangelnde Begabung zurückzuführen seien. Mit dieser Abfuhr fanden sich die Eltern nicht ab. Sie klagten und hatten beim Verwaltungsgericht (VG) Cottbus Erfolg (VG 3 K 705/12). Die Sozialbehörde müsse mindestens für ein Schuljahr das monatliche Schulgeld von 300 Euro übernehmen, so das VG.

Laut Sachverständigengutachten sei der Junge nicht lernbehindert, sondern psychisch gestört. Er wünsche sich soziale Kontakte, sei aber außerstande, mit den anderen Schülern normal zu kommunizieren (atypischer Autismus). Das Kind agiere in Gruppen unbeholfen bis wunderlich, was offenbar einer gestörten Wahrnehmung entspreche. Daraus resultierten Versagensängste, Angst vor der Schule, totaler Rückzug, Schlafstörungen etc. Diese Probleme gingen deutlich über "normale" Schulprobleme hinaus.

Ohne fachkundige Hilfe könne sie der Junge nicht überwinden. Er brauche eine überschaubare Schule mit kleinen Klassen, um sich zurechtzufinden. Da er sich gegen Anfeindungen nicht wehre, sondern sich abkapsle, sei er auf ein ihm freundlich gesinntes, sozial agierendes Umfeld angewiesen. Bei Sozialkontakten brauche er die Hilfe Erwachsener, die mit der psychischen Störung sensibel umgehen. Wer das als "Minderbegabung" abtue, verkenne offenkundig den Kern des Problems. Mit den sozialen Defiziten des Kindes habe sich die Sozialbehörde nicht einmal im Ansatz beschäftigt.