Schnitzel "paniert und gegart"

Werden Fleischprodukte vorher flüssig gewürzt, muss die Verpackung darauf hinweisen

onlineurteile.de - Eine niedersächsische Fleischfabrik stellt "verzehrfertige" Schweine- und Putenschnitzel her, die flüssig gewürzt werden. Das geht so vor sich: Ins Fleisch wird eine Gewürzlake injiziert, die aus Trinkwasser (90%), Salz (4,6%) und Gewürzen (5,4%) besteht. Durch mechanisches Wälzen — Tumbeln genannt — wird die Lake im Fleisch verteilt, dann die Panade aufgetragen und das Fleisch gegart. Nach dem Garprozess ist der Wasseranteil im Fleisch geringer als fünf Prozent.

Auf der Vorderseite der Schnitzel-Verpackungen steht "paniert und gegart". Auf der Rückseite finden sich folgende Angaben: Schweinefleisch (74%) oder Putenfleisch (74%), "Trinkwasser", "natürliche Gewürzextrakte".

Nichts weist darauf hin, dass die Gewürzextrakte und das Wasser ins Fleisch injiziert wurden. Darüber müssten Verbraucher mit dem Aufdruck "flüssig gewürzt" informiert werden, forderte das Gewerbeaufsichtsamt.

Dagegen wehrte sich der Fleischhersteller: Nach den einschlägigen Vorschriften im Lebensmittelrecht müsse er den Zusatz von Trinkwasser nicht kennzeichnen, wenn der Wasseranteil am Gewicht des Endprodukts unter fünf Prozent liege. Die Verbraucher würden korrekt informiert: Auf der Verpackung würden als Zutaten "Trinkwasser" und "natürliche Gewürzextrakte" angegeben. Käufer könnten also unschwer erkennen, dass das Produkt kein reines Fleisch ohne jeden Zusatz sei.

Mit diesen Argumenten konnte das Unternehmen jedoch weder das Verwaltungsgericht Oldenburg, noch das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg überzeugen (13 LA 21/18). Dass es hier um besonders behandeltes Fleisch gehe, müsse gekennzeichnet werden, so das OVG — und zwar unabhängig von der Wassermenge im Endprodukt. Ansonsten würden die Käufer in die Irre geführt.

Wenn man Fleisch durch die Injektion einer Gewürzlake "flüssig würze" und anschließend "tumble", verändere diese Prozedur den Geschmack und die Konsistenz des Fleisches. Das könnten die Verbraucher aber der Zutatenliste und den weiteren Aufdrucken auf der Verpackung nicht entnehmen. Anders als der Hersteller meine, genüge es nicht, die Zutaten aufzuzählen. Für die Käufer wesentlich sei die Information, dass das Fleisch nicht nur "paniert und gegart", sondern darüber hinaus per Injektion flüssig gewürzt worden sei.