Schmarotzer in der Business Lounge

Münchner speist 35 Mal kostenlos bei Lufthansa am Flughafen, ohne je zu fliegen

onlineurteile.de - Ein Münchner verfiel auf eine ausgefallene Idee, um günstig zu schlemmen. Er buchte bei der Lufthansa ein flexibles One-Way-Business-Class Flugticket von München nach Zürich. Geschäftsleute können so ein Ticket kostenlos umbuchen — auch nach dem Einchecken für einen Flug.

Mit seinem Ticket checkte der Mann (zwischen November 2011 und Dezember 2012) 35 Mal am Münchner Flughafen ein. Die Bordkarte verschaffte ihm Zutritt zur "Business Lounge" der Lufthansa: Das ist ein abgetrennter Wartebereich, den die Fluggesellschaft exklusiv ihren Business-Class-Kunden zur Verfügung stellt. Dort speiste der Münchner kostenlos. Anschließend ließ er jedes Mal das Ticket umbuchen, ohne den Flug anzutreten.

Die Airline war über diesen Stammgast natürlich nicht erfreut. Sie stornierte das Flugticket und erstattete ihm den Flugpreis. Als er mit einem neuen Flugticket das Spielchen wieder beginnen wollte, verklagte ihn das Unternehmen auf 1.980 Euro Schadenersatz für unberechtigt in Anspruch genommene Leistungen in der Abfluglounge.

Doch der "Fluggast" wähnte sich im Recht: Nach den Vertragsbedingungen sei die Zahl der Umbuchungen pro Flugticket nicht beschränkt, argumentierte er.

Beim Amtsgericht München konnte der Mann damit allerdings nicht punkten (213 C 31293/13). Die Fluggesellschaft gestalte die Business-Class-Tickets bewusst offen und flexibel, betonte der Amtsrichter. Sie wolle ihren Geschäftskunden die Möglichkeit geben, auch sehr kurzfristig und mehrmals umzuplanen. Der Münchner habe diese Serviceleistung bewusst vertragswidrig ausgenutzt.

Die Lufthansa biete Geschäftskunden in der Business Lounge kostenlos umfassende Leistungen (internationale Getränkeauswahl, Büffets zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen, Duschen und Konferenzräume), für die die Airline viel investiere und die nur für Flugreisende gedacht seien. Der Münchner habe es von vornherein nicht auf den Flug abgesehen gehabt — die Gegenleistung für den Flugpreis —, sondern nur auf die Serviceleistungen. Deshalb müsse er dem Unternehmen den Schaden ersetzen. Den Wert der in der Business Lounge angebotenen Leistungen schätzte das Amtsgericht auf 55 Euro pro Besuch.