Schlecht beraten: Verkäuferin erwarb Fondsanteile

Anlageberater darf einer Kundin mit geringem Verdienst keine Beteiligung an einem Immobilienfonds empfehlen

onlineurteile.de - Die Lehman-Pleite hat den schlechten Ruf der Anlageberater befestigt, dass sie sich bei der Beratung oft nicht so sehr vom Kundeninteresse, sondern eher vom eigenen Interesse an Provision leiten lassen. Das zeigt auch der konkrete Fall: Eine Verkäuferin ließ sich von einem Anlagevermittler die Beteiligung an einem Immobilienfonds aufschwatzen und verlor 3.150 Euro — viel Geld für die Frau. Mit Erfolg verklagte sie ihn auf Schadenersatz.

Der Anlagevermittler habe die Verkäuferin schuldhaft falsch beraten, weil er ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse vollständig ignorierte, urteilte das Oberlandesgericht Brandenburg (7 U 46/11). Dabei sollten sie bei einer Anlageberatung eigentlich im Mittelpunkt stehen. Ein Berater müsse sich über den Wissensstand und die Anlageziele der Kunden informieren und ihnen eine Anlage empfehlen, die auf die individuellen Verhältnisse zugeschnitten sei.

Die Verkäuferin verdiene gerade einmal 890 Euro im Monat und habe außer einer Lebensversicherung kein nennenswertes Vermögen (und die sei bereits seit 2004 beitragsfrei gestellt, weil die Frau die Beiträge nicht mehr habe aufbringen können). Eine an den Interessen der Anlegerin orientierte Beratung hätte hier nur darin bestehen können, ihr von einer Beteiligung an einem Immobilienfonds abzuraten.

In einen Fonds eingezahltes Geld sei nicht vorzeitig "loszueisen" — bei plötzlichem Geldbedarf, der bei einem niedrigen Gehalt jederzeit eintreten könne. Zu empfehlen sei so eine Investition nur für Inhaber größerer Vermögen und auch die sollten hier am besten nur kleinere Teilbeträge anlegen. Wenn die Verkäuferin korrekt über die Nachteile einer derartigen Anlage informiert worden wäre, hätte sie darauf verzichtet. Der Anlageberater müsse den Verlust ersetzen.