Schadenersatz nach zwölf Jahren?

12 Jahre nach einem Verkehrsunfall sieht sich der Verletzte daran gehindert, selbst ein Haus zu bauen

onlineurteile.de - Ein 14-Jähriger wurde bei einem Unfall verletzt. Im Alter von 26 Jahren, inzwischen verheiratet und Vater eines Kindes, verlangte er von seinem Unfallgegner mit folgender Begründung Schadenersatz:

Ohne den Unfall hätte er in seinem Geburtsort zusammen mit seinen Verwandten und Freunden ein Haus gebaut, das er jetzt mit seiner Familie bewohnen könnte. Doch wegen der unfallbedingten Rehabilitationsmaßnahmen habe es ihn nach Bremen verschlagen. Dort wolle er nun ein Hausbauen. Allerdings könne er keine Eigenleistungen mehr erbringen und müsse in Bremen auf Hilfe von Verwandten und Bekannten verzichten.

Nach Ansicht des Unfallopfers musste der damalige Unfallverursacher für diesen Folgeschaden aufkommen. Das Oberlandesgericht Hamm sah das anders (13 U 12/95). Zwar stelle nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ein unfallbedingter Ausfall von Eigenleistungen beim Hausbau einen Vermögensschaden dar. Allerdings müssten derartige Ansprüche überzeugend nachgewiesen werden - ansonsten würden die "Schadenersatzkonstruktionen" uferlos.

Vor allem müssten konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass das Unfallopfer das angeblich verhinderte Bauvorhaben ohne den Unfall tatsächlich ausgeführt hätte. Da er aber erst zehn Jahre nach dem Unfall einen Bausparvertrag abgeschlossen und zwei Jahre danach ein Baugrundstück erworben habe, sei nicht anzunehmen, dass er ohne den Unfall schon im Alter von 18 oder 20 Jahren einen Hausbau geplant und realisiert hätte.