Sado-Maso-Studio in der Ferienwohnung

Welchen Steuersatz muss das Finanzamt dem Vermieter dafür berechnen?

onlineurteile.de - Wer die Internetreklame des Vermieters liest, weiß sofort, dass es sich um eine sehr ungewöhnliche Ferienwohnung handelt: "Lust und Leidenschaft, Sinnlichkeit und Ekstase, sowie Erotik und Geborgenheit" — all das könnten Mieter hier erleben, verspricht der Wohnungseigentümer, um gezielt Kundschaft für sein besonderes Angebot anzusprechen.

Er vermietet die Wohnung tageweise oder stundenweise. Sie besteht aus Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad. Zwei weitere Zimmer beherbergen ein Sado-Maso-Studio und einen ‚Untersuchungsraum‘ mit Gynäkologenstuhl. Hier können Liebhaber spezieller Sexualpraktiken ihren Bedürfnissen nachgehen.

Vom ermäßigten Steuersatz für Übernachtungen, dem Geschenk der schwarz-gelben Koalition ans Hotelgewerbe, wollte auch der Vermieter des Sado-Maso-Studios profitieren. Bei seiner Steuererklärung veranschlagte er nur sieben Prozent. Damit war das Finanzamt nicht einverstanden: Hier gehe es nicht ums Übernachten, die Räume würden für bestimmte sexuelle Praktiken genutzt. Also sei der Regelsteuersatz von 19 Prozent anzuwenden.

Das sah der Vermieter nicht ein: Selbst wenn seine Gäste überdurchschnittlich viel Sex hätten, so sein Argument, bleibe ihnen immer noch Zeit genug, um die anderen Räume der Wohnung zum Schlafen und Essen zu nutzen. Er zog vor das Finanzgericht Niedersachsen — und bekam Recht (5 K 358/13).

Der überwiegende Teil der Wohnung (70 qm) diene einfach der Unterkunft der Gäste, so das Gericht. Für die Mieteinkünfte aus diesem Teil gelte daher der ermäßigte Steuersatz. Ob Gäste die Ferienwohnung vorrangig zum Wohnen anmieteten oder um ihre sexuellen Vorlieben zu auszuleben, sei unerheblich. Entscheidend sei, dass hier (auch) Wohn- und Schlafräume vermietet würden.

Die Ferienwohnung sei jedenfalls kein Bordellbetrieb, in dem sexuelle Leistungen gegen Geld geboten würden. Der Vermieter vermittle keine Sexpartner, verkaufe keine Getränke etc. Wäre das so, stünden diese Leistungen im Vordergrund und nicht mehr das Vermieten. Dann wären die gesamten Einnahmen zum Regelsteuersatz zu versteuern.

Dass der Vermieter den Gästen zusätzlich besondere Räume zur Verfügung stelle, sei als Nebenleistung zu bewerten, die nicht direkt dem Vermieten diene. Für diesen Teil der Einnahmen seien 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Das sei mit dem Wellnessangebot eines Hotels vergleichbar, das stelle ebenfalls eine nach dem Regelsteuersatz zu versteuernde Nebenleistung dar.