Reittherapie für verhaltensgestörten Jungen?

Therapeutisches Reiten wäre hilfreich, die Jugendhilfe muss sie aber nicht finanzieren

onlineurteile.de - Das Jugendamt hatte den 2003 geborenen Jungen zunächst in einer Pflegefamilie untergebracht, weil er von seinen Eltern vernachlässigt worden war. Zusätzlich bestellte das Familiengericht für ihn einen Pfleger, später organisierte es Vollzeitbetreuung in einer Erziehungsstelle. Das verhaltensgestörte Kind ist in seiner emotionalen und sprachlichen Entwicklung zurückgeblieben.

Der Pfleger verlangte für seinen Schützling eine Reittherapie. Die Arbeit mit Pferden fördere sozial-emotionale Kompetenzen, Konzentration und Ausdauer. Der Junge habe im Kinderdorf positive Erfahrungen mit Reitpferden gesammelt und vertraue Tieren. So könnte man seine Entwicklungsdefizite beheben.

Doch die Jugendhilfe lehnte es ab, therapeutisches Reiten zu finanzieren. Dazu sei der Kostenträger laut Sozialgesetzbuch nicht verpflichtet. Reittherapie sei nur für Vorschulkinder und für behinderte Kinder vorgesehen. Im konkreten Fall drohe keine seelische Behinderung, so laute jedenfalls das Fazit eines fachärztlichen Gutachtens.

Erfolglos klagte der Pfleger beim Verwaltungsgericht (VG) Aachen gegen den ablehnenden Bescheid (2 K 1679/12). Bei der Hilfeplanung für den Jungen sei keine ergänzende erzieherische Hilfe als notwendig besprochen und beschlossen worden, so das VG. Die Betreuung in der Erziehungsstelle werde dem erzieherischen Bedarf des Kindes gerecht. Unterstützende Hilfen wie Malen oder Reiten wären wohl eine wünschenswerte Förderung und Hilfe zur Erziehung. Eine konkrete Indikation für diese Therapie bestehe aber nicht.

Im Einzelfall sei es nicht ausgeschlossen, Reittherapie auch für Schulkinder zu finanzieren, wenn sie als pädagogische Hilfe angezeigt sei. Doch die Entscheidung des Jugendhilfeträgers, im konkreten Fall Vollzeitpflege in einer Erziehungsstelle ohne zusätzliche Therapien anzuordnen, begegne keinen pädagogischen Bedenken. Vielmehr habe der beratende Psychologe ausgeführt, dass der Junge schulisch gut gefördert werde, inklusive sozialpädagogischer Begleitung. Daher scheide eine Übernahme der Kosten zusätzlicher Therapien aus.