Reiterin stürzt vom Kamel

Ärztin schwer verletzt: Der Kamelführer haftet für die Unfallfolgen

onlineurteile.de - Eine Ärztin besuchte mit ihrer Mutter eine Kamelfarm. Die Frauen hatten sich für einen Kamelausritt angemeldet. Bei der Reitstunde im freien Gelände führte der Inhaber des Kamelhofs die beiden Kamele an einer Kette und lief zwischen den Tieren. Die Gruppe begegnete einigen Hundehaltern mit ihren Hunden. Als die Hunde die Kamele verbellten, erschraken die Tiere, sprangen nach vorne und dann abrupt nach links.

Dabei stürzte die 27-Jährige kopfüber zu Boden — aus einer Höhe von fast 1,9 Metern — und erlitt schwere Kopfverletzungen. Ein halbes Jahr lang war die Ärztin in ihrer Erwerbstätigkeit stark eingeschränkt. Vom Kamelführer forderte sie Entschädigung. Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart sprach ihr ein Schmerzensgeld von 70.000 Euro und 21.000 Euro Schadenersatz für Verdienstausfall zu (13 U 194/17).

Wenn Reiter die Kamele nicht selbst lenkten, sei der lenkende Kamelführer für deren Sicherheit verantwortlich, so das OLG. Da er die Tiere nicht sorgfältig genug beaufsichtigt habe, müsse der Inhaber der Kamelfarm für die Unfallfolgen haften. Er hätte auf keinen Fall allein beide Kamele mit Führkette am Strick führen dürfen.

Allein könne er nicht gut genug auf zwei Tiere einwirken und die Reiter vor Gefahren durch Schreckreaktionen der Kamele schützen. Von einem Mitverschulden der Ärztin, die keinen Helm getragen habe, könne hier keine Rede sein. Davon habe der Kamelführer ausdrücklich abgeraten, was besonders leichtsinnig gewesen sei. Auf diese Auskunft des Kamelhalters habe sich die Besucherin verlassen dürfen.