Radfahrerin fährt in gespannte Slackline

Jugendamtsleiter warnte sie vergeblich — kein Schmerzensgeld für die Sturzverletzung

onlineurteile.de - Am Vatertag veranstaltete das Kreisjugendamt Kronach auf dem Gelände der Landesgartenschau ein Treffen für Jugendliche. Die sollten sich vergnügen und auch ein wenig ihre Geschicklichkeit erproben: Zwischen zwei Bäumen hatten Mitarbeiter des Jugendamts in Hüfthöhe ein Balancierband (Slackline) für die Teilnehmer gespannt.

Eine Radfahrerin fuhr quer über den Platz auf die Slackline zu. Als der Jugendamtsleiter die Frau bemerkte, rief er laut "Halt", breitete die Arme aus und lief ihr entgegen. Doch die Radfahrerin ignorierte ihn, trat kräftig in die Pedale — und fuhr gegen das Band. Beim Sturz erlitt sie Prellungen und brach sich einen Arm.

Als Ausgleich für die Sturzverletzung forderte die Frau vom Landkreis Kronach 4.000 Euro Schmerzensgeld. Er müsse als Dienstherr dafür einstehen, dass die Leute vom Jugendamt so leichtsinnig handelten. Der ganze Platz sei als Rad- und Fußweg anzusehen. Wo viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs seien, dürfe man doch kein Balancierband mitten in den Weg hängen. Den Warnruf habe sie zu spät gehört. Außerdem habe sie sich gefragt, was "dieser Mann nur von ihr wolle", womöglich sei er betrunken.

Das Landgericht Coburg wies die Zahlungsklage der Radfahrerin ab (22 O 308/12). Die Geh- und Radwege auf dem Gartenschaugelände seien mit Platten belegt, stellte das Gericht fest. Sie sei nicht einem dieser Wege gefolgt, sondern querbeet gefahren. Daher sei der Vorwurf abwegig, die Verantwortlichen für das Jugendtreffen hätten das Balancierband über einen Weg gespannt und so Radfahrer gefährdet. Das Band sei zudem auffällig hellgelb und schon von weitem gut zu sehen.

Darüber hinaus habe der Leiter des Jugendamtes die Frau auch noch rechtzeitig gewarnt und "Halt" gerufen. Der Mann mache einen so seriösen Eindruck, dass es völlig unverständlich sei, wie die Radfahrerin auf ihn (nicht) reagierte. Sie habe sich den Unfall selbst zuzuschreiben: Wer trotz eines lauten Warnrufs in ein gespanntes Balancierband hineinfahre, gefährde in leichtsinniger Weise die eigene Gesundheit.