Pferd beißt Reiter einen Finger ab!

Der Mann half dabei, das Tier seiner Lebensgefährtin zu verladen: Arbeitsunfall?

onlineurteile.de - Mit seiner Lebensgefährtin, die einige Reitpferde besitzt, besuchte Herr K ein Reitturnier. Er ist gelernter Facharbeiter für Pferdezucht, arbeitet allerdings als Verkäufer von Nutzfahrzeugen. Bei dem Turnier ritt der Hobbyreiter eine Stute seiner Lebensgefährtin mit dem schönen Namen "Traummädchen".

Mit dem Bekannten P, einem Rossschlächter, hatte das Paar vereinbart, dass P die Stute nach dem Turnier zum Reitstall "Pferdewelt" transportieren sollte. Die Pferdebesitzerin wollte dort einen Kaufinteressenten für das Tier finden.

Reiter K half Herrn P dabei, die Stute zu verladen. Dabei biss ihm ein anderes Pferd, das schon im Anhänger stand, einen Finger der rechten Hand ab. Erfolglos verlangte K für diesen Unfall Leistungen von der Berufsgenossenschaft, der Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Berufsgenossenschaft lehnte ab, weil sich K aus privaten Gründen auf dem Reitturnier aufgehalten habe.

Gegen den negativen Bescheid zog der Reiter vor das Sozialgericht: P habe ihn beauftragt, die Stute zu verladen, weil er, K, das Tier gut kannte. Seine persönliche Beziehung zur Pferdehalterin sei für den Unfall bedeutungslos. Aufgrund des Auftrags habe er für den Transporteur und "ähnlich wie ein Arbeitnehmer" gehandelt. Also gehe es hier um einen Arbeitsunfall, für den die gesetzliche Unfallversicherung einspringen müsse.

Beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg scheiterte des Reiters Klage gegen die Berufsgenossenschaft (L 2 U 29/13). Der Unfall sei nicht bei einer versicherten Tätigkeit passiert, urteilte das Gericht, sondern bei einer privaten Gefälligkeit. K habe dem P dabei geholfen, das Pferd seiner Lebensgefährtin zu verladen — das sei im Interesse der Pferdebesitzerin geschehen und nicht im Interesse des Unternehmers P.

Hilfeleistungen unter Lebenspartnern seien üblich und würden von jedermann erwartet. Das gelte auch für K, zumal er die Stute auf dem Turnier geritten habe. Wenn er ein Pferd seiner Partnerin reite, sei es selbstverständlich, dass er anschließend beim Abtransport helfe.

P habe ebenfalls nicht gewerblich gehandelt, sondern der Pferdehalterin einen Gefallen getan. P habe die Stute weder gekauft, noch im Zusammenhang mit seinem Unternehmen transportiert. Daher sei K für den Rossschlächter auch nicht so ähnlich wie ein Arbeitnehmer tätig geworden ("wie ein Beschäftigter"). Da der unentgeltliche Transport der Stute nur eine Gefälligkeit des P gewesen sei, könne auch die Hilfe des K bei dieser Gefälligkeit keine arbeitnehmerähnliche Beschäftigung gewesen sein.