Pauschalurlauber buchen Ersatz-Rückflug

6-stündige Flugverspätung drohte: Muss der Reiseveranstalter für die Zusatzkosten aufkommen?

onlineurteile.de - Eine vierköpfige Familie hatte für die erste Oktoberwoche eine Pauschalreise in die Türkei gebucht. Am 7. Oktober um 20:05 Uhr sollte der Rückflug von Antalya nach Frankfurt starten. Als die Familie am Flughafen von Antalya ankam, erfuhr sie, dass der Rückflug wegen eines technischen Problems um zweieinhalb Stunden verschoben wurde. Allerdings lande die Maschine dann nicht wie vorgesehen in Frankfurt, sondern in Köln, erläuterte eine Mitarbeiterin des Reiseveranstalters telefonisch. Von Köln biete man einen Bustransfer nach Frankfurt an.

Unter diesen Umständen wäre die Familie sechseinhalb Stunden später als geplant nach Hause gekommen. Darauf wollten sich die Eltern schon wegen der kleinen Kinder nicht einlassen. Sie buchten in Eigenregie — ohne mit dem Reiseveranstalter nochmals Kontakt aufzunehmen — bei einer anderen Fluggesellschaft einen Ersatzflug für denselben Abend nach Frankfurt. Vom Reiseveranstalter verlangten die Urlauber Schadenersatz für die zusätzlichen Flugtickets, insgesamt 1.235 Euro.

Das Landgericht Köln lehnte ihre Klage ab: Die Kunden hätten den Reiseveranstalter auf jeden Fall anrufen müssen, bevor sie selbst Ersatztickets buchten. Sie hätten das Unternehmen weder zur Abhilfe aufgefordert, noch eine Frist dafür gesetzt.

Das treffe zwar zu, erklärte der Bundesgerichtshof. Auf diese Regelungen im Reiserecht könne sich das Reiseunternehmen im konkreten Fall aber nicht berufen, weil es die Kunden über ihre Pflichten nicht unterrichtet habe (X ZR 96/17).

Grundsätzlich müssten Veranstalter in den Reiseunterlagen die Kunden über Reisepreis, Zahlungsmodalitäten und über ihre Pflichten informieren. Kunden seien verpflichtet, Reisemängel vor Ort sofort anzuzeigen und dem Veranstalter eine angemessene Frist zu setzen, um sie zu beheben. Doch in der Reisebestätigung der Familie fehlten diese Hinweise. Daher dürfe der Reiseveranstalter die Kostenerstattung für die Ersatztickets nicht mit dem Argument verweigern, die Kunden hätten ihm keine Frist zur Abhilfe gesetzt.

Das Unternehmen habe seine Informationspflichten verletzt und müsse schon deshalb die Ticketkosten ersetzen. Also müsse das Gericht nicht mehr klären, ob die Kunden unter den gegebenen Umständen überhaupt verpflichtet gewesen wären, dem Reiseveranstalter Gelegenheit zur Abhilfe zu geben. Das sei hier mehr als zweifelhaft. Es erscheine wenig sinnvoll, den Reiseveranstalter zur Abhilfe aufzufordern, wenn er bereits einen unzumutbar späten Ersatzflug angeboten und behauptet habe, das sei die einzig mögliche Lösung.