Offene Bodenluke im Modehaus

Kundin stürzt in den Keller: Das Bekleidungsgeschäft haftet für die Behandlungskosten

onlineurteile.de - Eine Frau suchte ein Modehaus auf, um für ihre Tochter einen Pullover zu kaufen. Im Gang zur Kasse befand sich im Boden ein (2 m x 80 Zentimeter großer) Schacht, der in den Bügelkeller führte. Dessen Abdeckung stand offen. Die Kundin übersah die offene Luke, weil sie auf dem Weg zur Kasse kurz auf die Seite schaute — auf den Geschäftsinhaber, der sich mit einer Verkäuferin unterhielt. Dieser Seitenblick wurde ihr zum Verhängnis.

Die Frau stürzte in den Schacht und erlitt mehrere Knochenbrüche. Die gesetzliche Krankenkasse der Rentnerin bezahlte die Behandlungskosten von 21.000 Euro. Die Hälfte dieses Betrags übernahm der Haftpflichtversicherer des Modehauses freiwillig. Den restlichen Betrag müsse er ebenfalls erstatten, forderte die Krankenkasse. Vor Gericht ging es im Wesentlichen um die Frage, ob der Kundin Mitverschulden vorzuwerfen ist — was den Anspruch der Krankenkasse gemindert hätte.

Das Oberlandesgericht Hamm verneinte dies (9 U 86/17). In einem Bekleidungsgeschäft konzentrierten sich die Kunden auf die Waren, auf Preisschilder und Hinweisschilder. Sie seien naturgemäß abgelenkt. In so einem Laden müssten Kunden allenfalls mit heruntergefallenen Kleidungsstücken rechnen, aber nicht mit einer offenen Bodenluke. Auf so eine überraschende Gefahrenquelle könnten sich Kunden nicht einstellen.

Die Tatsache, dass sich die verletzte Frau durch die Unterhaltung in der Nähe zu einem Seitenblick verleiten ließ, sei nicht als Mitverschulden zu bewerten. Selbst wenn das zum Unfall beigetragen haben sollte: Ihre geringfügige Unachtsamkeit trete angesichts der grob fahrlässigen Nachlässigkeit des Modehauses völlig in den Hintergrund.

Das Unternehmen hafte daher zu 100 Prozent für die Behandlungskosten. Eine Bodenluke dürfe nur außerhalb der Geschäftszeiten geöffnet werden. Nach Angaben des Geschäftsführers werde im Modehaus normalerweise auch so verfahren.