Obstbauer fiel von der Leiter

Witwe kämpft um Rente: Auch beim Aufräumen ist ein Arbeitsunfall möglich

onlineurteile.de - Der Nebenerwerbslandwirt bewirtschaftete einen großen Obstgarten mit etwa 500 Obstbäumen. Daraus machte er Apfelsaft, Most, Apfelessig und ein wenig Schnaps. Die Produkte verkaufte er auf Märkten. Im Herbst 2009 half die ganze Familie bei der Obsternte. Am Tag darauf fuhr der Mann zum Obstgarten, um dort in einem Holzschuppen aus Äpfeln Maische herzustellen.

Im Schuppen fand ihn sein Sohn mittags mit einer schweren Kopfverletzung vor. Der Vater saß blutend auf einer umgeklappten Aluleiter, die Augen blau verfärbt. Auf Ansprache reagierte er kaum. Im Krankenhaus wurde schließlich ein Schädel-Hirn-Trauma mit Schädelbasisbruch festgestellt. Die Ärzte gingen von einem Sturz aus, doch der Unfall war nicht genau zu klären. Denn der Obstbauer kam nicht mehr zu sich und starb acht Monate später.

Als Nebenerwerbslandwirt war der Mann gesetzlich unfallversichert. Seine Witwe beantragte bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Witwenrente: Ihr Mann sei bei der Arbeit verunglückt. Das bestritt jedoch die Berufsgenossenschaft: Die Obsternte, eine versicherte Tätigkeit, sei schon beendet gewesen. Da der Obstbauer am Unfalltag Maische zum Schnapsbrennen herstellte, was ihrer Ansicht nach nicht versichert sei, liege kein Arbeitsunfall vor.

Das Landessozialgericht Bayern sah das anders und gab der Witwe Recht (L 3 U 55/12). Bilder der Polizei vom Unfall zeigten, dass der Obstbauer beim Aufräumen von Arbeitsutensilien verunglückt sei: Überall lagen leere Obstsäcke herum, die für den Obsttransport benutzt werden. Er habe sie über die Leiter auf den Lagerboden hinaufbringen wollen. Vor dem Schuppen habe der Mann Kisten mit verschiedenen Apfelsorten gestapelt.

Das Vorsortieren der Äpfel und das Aufräumen gehörten zur versicherten Tätigkeit des Nebenerwerbslandwirts: Auch typische Vorbereitungsarbeiten und das Verwahren von Arbeitsgeräten (Säcke, Maschinen) seien versichert.

Wofür der Obstbauer vor dem Aufräumen Maische produziert habe, spiele deshalb keine Rolle. Denn die versicherten Tätigkeiten — Sortieren und Verstauen der Obstsäcke auf dem Dachboden — hätte der Verunglückte nach der Ernte in jedem Fall durchgeführt. Auch dann, wenn er keinen Schnaps hätte brennen wollen.