Noro-Virus im Hotel

Eine vom Hotel zu verantwortende Epidemie ist erst anzunehmen, wenn mindestens zehn Prozent der Gäste erkrankt sind

onlineurteile.de - Für 954 Euro buchte ein Kunde bei einem Münchner Reiseveranstalter für sich und seine Freundin eine Flugpauschalreise nach Rhodos, vom 15. bis 22. Mai 2014. In dieser Woche hielten sich 1.600 Gäste in dem Hotel auf, das nach Landeskategorie 4,5 Sterne hat. Die deutschen Urlauber erkrankten bereits in der ersten Nacht im Hotel: Sie litten an massiven Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Schüttelfrost und Fieber.

Das Paar verbrachte den Inselurlaub im Bett und reiste am 20. Mai vorzeitig ab. Für den verpatzten Urlaub machte der Kunde den Reiseveranstalter bzw. sein Vertragshotel verantwortlich: Mindestens 476 Personen habe der Noro-Rota-Virus seit Anfang Mai im Hotel befallen. Vor den Hotelzimmern hätten sich schmutzige Bettlaken und Handtücher mit Erbrochenem gestapelt. Überall hätten sich Hotelgäste erbrochen.

Vom Reiseveranstalter forderte der Mann den Reisepreis zurück, zusätzlich Schmerzensgeld und Entschädigung für vertane Urlaubszeit, insgesamt 2.176 Euro. Doch das Unternehmen wies alle Vorwürfe zurück und zahlte nichts: Das Hotel treffe kein Verschulden am Auftreten des Virus. Staatlich zertifizierte Prüfer hätten alles untersucht: Proben von Nahrungsmitteln, vom Leitungswasser, von den Getränkeautomaten, von Eismaschinen und vom Wasser im Swimmingpool. Sie hätten aber keine Krankheitserreger gefunden.

Das Amtsgericht München wies die Klage des Urlaubers gegen den Reiseveranstalter ab (283 C 9/15). Die Krankheit, die ihn und seine Lebensgefährtin ereilte, wäre nur als Reisemangel anzusehen, wenn der Reiseveranstalter dafür verantwortlich wäre. Dass sich die Reisenden im Hotel angesteckt haben, stehe jedoch nicht fest: Das könne ebenso gut beim Kontakt mit anderen Personen im Flugzeug oder durch verunreinigtes Meerwasser am Strand passiert sein.

Anstecken könne man sich überall, das zähle zum allgemeinen Lebensrisiko. Im Hotel habe man jedenfalls keine Krankheitserreger gefunden. Im Übrigen seien während des fünftägigen Aufenthalts des Paares nicht 476, sondern höchstens 140 Personen erkrankt. Das entspreche bei einer Gästezahl von 1.600 Personen 8,75 Prozent. Von einer Epidemie, die dem Hotel zuzuschreiben sei, könne man aber erst sprechen, wenn mindestens zehn Prozent der Hotelgäste an denselben Krankheitssymptomen leiden.