Neffe als Betreuer

Unterschreibt ein Betreuer einen Bestattungsauftrag für die verstorbene Betreute, muss er die Beerdigungskosten tragen

onlineurteile.de - Der Neffe hatte einige Jahre lang die Vermögensangelegenheiten seiner Tante geregelt. Das Amtsgericht hatte ihn zum Betreuer der erkrankten Seniorin bestimmt. Nach ihrem Tod 2016 unterschrieb er bei einem Beerdigungsinstitut einen Antrag für eine kommunale Grabstätte.

Im Antragsformular trug er seinen Namen ein, mit dem Zusatz "Betreuer". Zusätzlich füllte er eine "Kostenübernahmeerklärung" der Stadt aus. Im Formular hieß es: "Für die Bezahlung der anfallenden Gebühren und Kosten übernehme ich als Besteller(in) die Haftung als Selbstschuldner(in)." In dem Feld darunter unterzeichnete der Neffe.

Als ihm die Kommune die Rechnung schickte — 2.171 Euro sollte das Grab für 15 Jahre kosten —, wollte er davon jedoch nichts mehr wissen: Beim Anwalt habe er erfahren, dass er als Neffe für die Beerdigungskosten nicht aufkommen müsse. Er habe nur als Betreuer im Namen der Tante unterschrieben. Die Erben müssten die Beerdigung aus dem Nachlass finanzieren.

Im Namen seiner Tante habe der Betreuer die Beerdigung nicht in Auftrag geben können, erklärte dagegen der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (1 S 419/18). Denn ein Betreuungsverhältnis ende mit dem Tod des Betreuten. Der Neffe habe mit dem Zusatz "Betreuer" zwar ausdrücken wollen, dass er nur als Stellvertreter unterschreibe. Das sei nach dem Tod der Betreuten rechtlich aber nicht mehr möglich.

Im Namen der Tante habe der Betreuer nicht mehr handeln können. Vielmehr habe er im eigenen Namen ein Rechtsgeschäft abgeschlossen. Zudem habe der Neffe die Kostenübernahmeerklärung unterzeichnet und darin zugesichert, die anfallenden Kosten zu tragen. Daran müsse er sich festhalten lassen.