Munition offen auf dem Waffenschrank

Jäger muss wegen "waffenrechtlicher Unzuverlässigkeit" Jagdschein und Waffen abgeben

onlineurteile.de - Gegen Mittag hatte die Ehefrau des Jägers in Panik die Polizei herbeigerufen: Er sei betrunken und habe angekündigt, er wolle sich im Wald erschießen. Offenbar sei er nach einem Streit wegen ihrer vermeintlichen "Seitensprünge" ausgerastet. Als die Polizei ankam, zeigte ihnen die Frau eine WhatsApp-Nachricht des Mannes, in der er mitteilte, heute werde er sein Leben beenden.

Die Beamten fanden den Mann beim Schlachten im Schlachtraum vor. Ein freiwilliger Alkoholtest um 14.20 Uhr ergab 2,14 Promille. Danach ließen sich die Polizisten den Waffenschrank zeigen. Auf dem Schrank lagen Patronen … Daraufhin stellte die Polizei Waffen und Munition sicher. Das Landratsamt entzog dem Jäger wegen "waffenrechtlicher Unzuverlässigkeit" Jagdschein und Waffenbesitzkarten.

Dagegen wehrte er sich: Auslöser für den Alkoholkonsum sei der Kummer über die vermutete Untreue seiner Frau gewesen. Das stelle seine Zuverlässigkeit nicht in Frage, er sei kein Trinker. Und die Munition habe er keineswegs offen herumliegen lassen. Denn der Waffenschrank stehe in einem ehemaligen Türstock, der hinten zugemauert sei. Von drei Seiten eingemauert stehe der Schrank hinter einer stets verschlossenen Tür.

Doch zum Pech des Jägers hatten die Polizeibeamten den Waffenschrank fotografiert … und so scheiterte seine Klage beim Verwaltungsgericht (VG) Regensburg (RN 4 S 20.1456). Ob ein "eingemauerter" Waffenschrank im Prinzip die Anforderungen an sorgfältige Aufbewahrung von Munition erfülle, müsse man nicht unbedingt klären, so das VG. Denn die Zimmertür vor dem Schrank sei nicht verschlossen gewesen.

Wie Lichtbilder zeigten, seien die offenen Türflügel als eine Art Garderobenersatz genutzt worden: Da hingen Hosen und Jacken des Jägers. Die Munition habe also offen und für jedermann zugänglich auf dem Schrank gelegen. Das sei keine Bagatelle: Nur eine sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition verhindere das hohe Risiko, dass Unbefugte damit Schaden anrichteten.

Laut Waffengesetz müsse erlaubnispflichtige Munition in einem geschlossenen Behältnis, z.B. aus Stahlblech, aufbewahrt werden. Auch ein einmaliger Verstoß gegen die Aufbewahrungsvorschriften rechtfertige bereits den Widerruf von Jagdschein und waffenrechtlicher Erlaubnis. Auf ein psychologisch-medizinisches Gutachten zum Grad der Alkoholabhängigkeit des Jägers könne man daher verzichten.