Misshandelte Kinder bei "Super Nanny"

Der pädagogische Anspruch einer TV-Serie rechtfertigt keine Reklame mit Gewaltdarstellung

onlineurteile.de - In einer mittlerweile eingestellten RTL-Fernsehreihe gab "Die Super Nanny" — Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank — Erziehungstipps für Problemfamilien. Mit Spielszenen aus dem angeblich realen, nachgestellten Familienleben wurden die Probleme dargestellt, die dann die "Super Nanny" löste.

2011 wurde eine Folge ausgestrahlt, in der die Fernsehleute den Realismus zynisch übertrieben: Eine alleinerziehende Mutter beschimpfte und schlug ihre weinenden und verängstigten Kinder (damals drei, vier und sieben Jahre alt). Immer wieder wurden diese Szenen gezeigt. Frau Saalfrank konfrontierte die Mutter mit ihren Drohungen und Taten und empfahl ihr eine Therapie.

Die Kommission für Jugendmedienschutz beanstandete die Sendung als Verstoß gegen die Menschenwürde. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt mahnte daraufhin RTL ab. Dagegen wehrte sich der private Fernsehsender: Der Beschluss sei absurd. In dieser Sendung gehe es erkennbar um Kinderschutz und richtige Pädagogik.

Mit diesem Argument konnte der Fernsehsender das Verwaltungsgericht Hannover nicht überzeugen (7 A 4679/12). Das Ziel der Sendung solle es sein, die Situation der Familie positiv zu verändern, so das Gericht. Um dazu beizutragen, müsse man nicht detailliert vorführen und ständig wiederholen, wie die Mutter gegen das Recht ihrer Kinder auf gewaltfreie Erziehung verstoße: wie sie die Kinder schlage, seelisch verletze und anschreie.

Für diese Folge hätten die Macher der "Super Nanny" die Gewaltszenen zudem in einem Vorspann kurz hintereinander geschnitten: Mit 22 solcher Szenen sollte der Vorspann für die Sendung werben und damit Zuschauer anlocken. Besonders betroffen sei der damals Vierjährige, der in neun Szenen weine und über Schläge klage. Die Menschenwürde der Kinder verbiete es, so etwas öffentlich auszubreiten.

Der Aufnahmeleiter bzw. das ganze Team habe das drastische Fehlverhalten der Mutter offenbar hingenommen, ohne einzuschreiten. Die Kinder hätten sich vermutlich nicht nur ihrer therapiebedürftigen Mutter ausgeliefert gefühlt, sondern auch dem Aufnahmeteam. Das vermeintlich edle Ziel, die Mutter zur Einsicht in ihr Fehlverhalten zu bringen, rechtfertige so ein Vorgehen nicht.