Leicht durchschaubarer Online-Banking-Betrug

Die Bank muss den Verlust einer leichtsinnigen Kundin nicht ersetzen

onlineurteile.de - Die Bankkundin war Opfer des so genannten "Pharming"-Tricks geworden. Beim Einloggen ins Online-Banking ihrer Bank hatte ein Schadprogramm auf ihrem Computer ein Fenster geöffnet. Darin wurde die Frau aufgefordert, eine "Demoüberweisung" von mehreren 10.000 Euro an einen Herrn Mustermann vorzunehmen. Verblüfft meldete sie sich erneut zum Online-Banking an und wieder öffnete sich das Fenster mit der verdächtigen Anweisung.

Beim zweiten Mal kam die Bankkundin der Aufforderung nach und gab in den Computer die — vom TAN-Generator erzeugte — Sicherheitsnummer ein, ohne die das Banksystem nichts überweist. Das Schadprogramm des Betrügers hob mit dieser Nummer von ihrem Bankkonto 9.847,78 Euro ab. Danach erledigte die Frau mit dem echten Online-Banking die eigentlich beabsichtigten Bankgeschäfte. Dass die vermeintliche "Demoüberweisung" höchst real stattgefunden hatte, fiel ihr ein paar Tage später am Kontostand auf.

Nun sollte die Bank für den Verlust haften: Die Kundin war nämlich der Ansicht, die Betrugsmasche "Pharming" habe sie nicht erkennen können. Da sie zudem ihren Computer mit einem Virenprogramm geschützt habe, habe sie alles ihr Mögliche getan, um so ein Malheur zu verhindern. Diese Meinung wurde allerdings von der Bank nicht geteilt und auch das Landgericht Koblenz fand, die Bankkundin habe sich grob fahrlässig verhalten (3 O 378/21).

Das Täuschungsmanöver sei so plump gewesen, dass es kaum nachvollziehbar sei, wie jemand darauf hereinfallen könne, so das Landgericht. Von einem Computer-Nutzer könne man erwarten, dass er/sie das Online-Banking abbreche, wenn die Umstände auf ein dubioses Geschehen hindeuteten. Wenn keine reale, sondern eine Demoüberweisung ausgeführt werden solle, müsse der Bankkunde keine echte TAN eingeben. Das hätte die Kundin ebenso misstrauisch machen müssen wie die hohe Summe.

Zudem habe der TAN-Generator wie üblich die reale Ziel-Kontonummer und den tatsächlichen Überweisungsbetrag angezeigt. Ungeachtet dessen habe die Frau die Transaktionsnummer eingegeben. Wer einem derart offensichtlichen Online-Banking-Betrug aufsitze, der verstoße massiv gegen die Sorgfaltspflichten von Bankkunden. Die Frau müsse daher den Schaden selbst tragen. Die Bank müsse für den Leichtsinn der Kundin nicht haften.