Landwirt stirbt an Blutvergiftung

Witwe bekommt Leistungen von der Berufsgenossenschaft zugesprochen

onlineurteile.de - Ein Landwirt schnitt im Wald mit einer Motorsense einige Bäume frei. Die Arbeit erledigte er für seinen Sohn, dem er einige Jahre zuvor den Hof übergeben hatte. Seither half der 66-Jährige dem Sohn gelegentlich im Stall und bei der Forstwirtschaft. Eine Woche nach den Waldarbeiten starb der Mann an Multiorganversagen.

Seine Witwe meldete der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft — Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung — einen Arbeitsunfall. Sie beantragte Sterbegeld und Witwenrente.

Beim Mähen im Wald habe sich ihr Mann einen Kratzer am Genick zugezogen. Zwei Tage später seien Hals und Gesicht angeschwollen, dann kamen Fieber und Schüttelfrost dazu. Deshalb habe ihr Mann die chirurgische Ambulanz aufgesucht. Man habe ihm Infusionen gelegt und Cortison verabreicht, da ihr Mann zu allergischen Reaktionen neigte. Letztlich sei der Kratzer die "Eintrittspforte" für eine bakterielle Infektion gewesen, die zur Blutvergiftung und damit zum Tod führte.

Die Berufsgenossenschaft erklärte, es stehe nicht fest, dass die Blutvergiftung durch eine Verletzung im Wald ausgelöst wurde. Die Klinikärzte hätten am Hals keine Wunde festgestellt. Wegen anerkannter Berufskrankheiten des Landwirts (Asthma, Farmerlunge) zahlte die Berufsgenossenschaft einmalig 4.611 Euro Hinterbliebenenbeihilfe. Damit wollte sich die Witwe aber nicht abspeisen lassen.

Ihre Klage gegen die Berufsgenossenschaft hatte beim Landessozialgericht (LSG) Bayern Erfolg (L 2 U 44/10). Es sei nicht auszuschließen, dass die Klinikärzte den Kratzer aufgrund der Schwellungen am Hals übersahen, so das LSG. Doch das könne sogar offen bleiben: Denn die bereits früher anerkannten Berufskrankheiten des ehemaligen Landwirts seien auf jeden Fall (mit-)ursächlich für seinen Tod gewesen. Das genüge, um einen Anspruch auf Leistungen zu bejahen.

Der Mann habe nicht erst in der Klinik Cortison erhalten: Er habe sich schon seit Jahren einer hoch dosierten Cortison-Behandlung unterziehen müssen, die seine Abwehrkräfte extrem geschwächt habe. Daher sei er anfällig für Infektionen gewesen, aus diesem Grund habe sich die Blutvergiftung so schnell entwickelt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre der Versicherte ohne die Vorerkrankungen (allergisches Asthma, Farmerlunge) nicht an Blutvergiftung und dem dadurch ausgelösten Multiorganversagen gestorben.