Kreditkartenmissbrauch selbst verschuldet?

Bank will unberechtigte Abbuchungen vom Kundenkonto nicht ausgleichen

onlineurteile.de - Nach einem Kurzurlaub stellte ein wohlhabender alter Herr entsetzt fest, dass sein Bankkonto leer geräumt war. Die dazu gehörige Girocard fand er nicht mehr.

Bei der Polizei gab der Bankkunde erst an, er habe sie im Kurort dabei gehabt, aber nicht benützt. Dann war er sich nicht mehr sicher: Vielleicht habe er auch zu Hause einige Bankkarten aus dem Portemonnaie genommen, damit es nicht zu dick werde. Jedenfalls habe er die PIN in einem extra Taschenkalender notiert, keinesfalls auf der Girocard.

Seine Bank weigerte sich, die unberechtigt an Geldautomaten abgehobenen Beträge — insgesamt fast 22.000 Euro — zu ersetzen. Da bei den meisten Abhebungen die Original-Girocard des Kunden und die richtige PIN verwendet wurden, müsse der Kunde grob fahrlässig die PIN zusammen mit der Karte aufbewahrt haben. Oder er habe einem Unbefugten Karte und PIN sogar freiwillig überlassen oder das Geld selbst abgehoben.

Diese Vorwürfe konnte das Oberlandesgericht Frankfurt nicht nachvollziehen (23 U 291/13). Dass der alte Herr die PIN in einem Taschenkalender notiert habe, sei keineswegs leichtsinnig — solange er die Girocard nicht im Kalender aufbewahre. Mehrere gescheiterte Versuche der Täter, mit der Karte Geld abzuheben, zeigten, dass die PIN nicht auf der Bankkarte selbst notiert war. Der Karteninhaber selbst habe sie im Kurort nicht gebraucht, sondern alles bar bezahlt. Das habe seine Begleiterin bestätigt.

Kaum sei er am Kurort angekommen, sei die Karte in unglaublich schnellem Takt an Geldautomaten eingesetzt worden — teilweise in einem Abstand von einer Minute. Das spreche gegen eine vom Kunden autorisierte Abhebung. Überhaupt keine Anhaltspunkte gebe es dafür, dass der betagte Kunde selbst tagelang durch Deutschland reiste, um im Minutentakt nachts Bares in verschiedenen Städten abzuheben.

Auch die polizeilichen Ermittlungen stützten die Annahme, dass Kriminelle die Karte stahlen. Lichtbilder zeigten unterschiedliche Personen an den Geldautomaten, die bewusst ihr Gesicht verdeckten, um nicht identifiziert zu werden. Das und die zeitliche Abfolge beim Kartenmissbrauch entsprächen dem Tatmuster organisierter Banden.

Vorwerfen könne man dem Bankkunden nur, dass er den Verlust der Karte nicht sofort angezeigt habe. Obwohl er genügend Bargeld bei sich hatte, hätte ihm das Fehlen der Bankkarte schon am Kurort auffallen müssen. Jeder Bankkunde müsse sich ab und an vergewissern, ob die Bankkarten noch vorhanden seien.

Das gelte erst recht, wenn der Kunde manchmal einen Teil der Karten zu Hause lasse. Ungewissheit in diesem Punkt sei Grund genug zu überprüfen, ob die Bankkarten im Hotel oder in der Wohnung seien. Diese Nachlässigkeit begründe ein Mitverschulden des Bankkunden am Verlust, weshalb die Bank nur die Hälfte des verlorenen Betrags ersetzen müsse.