Kranke Kuh ersteigert

Der Verkäufer schuldet nur Schadenersatz, wenn er nachweislich über die Infektion Bescheid wusste

onlineurteile.de - Bei einer Auktion erwarb ein Landwirt eine Kuh. Kurz vor der Lieferung rief ihn der Verein an, der die Auktion durchgeführte hatte: In einer am Vormittag gezogenen Milchprobe seien Hemmstoffe festgestellt worden. Der Landwirt brachte deshalb die Kuh abgesondert in seinem Stall unter, die Kuh nur wenig Milch gab und erhöhte Körpertemperatur hatte. Ein Tierarzt stellte eine Hemmstoff-Virusinfektion fest.

Der Landwirt verlangte daraufhin Schadenersatz vom Verkäufer des Tieres. Die Untersuchungen des Tierarztes hätten ergeben, dass die Kuh bereits vor dem Kauf infiziert gewesen sei. Nachweisbar habe der Verkäufer die Kuh vor der Auktion mit Antibiotika oder Chemotherapeutika behandelt. Dies mache ihn eindeutig ersatzpflichtig. Durch die Infektion weiterer Kühe habe er, der Käufer, erhebliche Einnahmeeinbußen beim Milchverkauf. Womöglich müsse er den gesamten Kuhbestand veräußern.

Das Oberlandesgericht Oldenburg war nicht der Ansicht, dass der Verkäufer dem Landwirt Schadenersatz schuldet (14 U 14/93). Zwar könne man tatsächlich davon ausgehen, dass die Kuh vor dem Auktionstag infiziert gewesen sei. Dieses Kriterium reiche für eine Haftung jedoch nicht aus. Schadenersatzpflichtig wäre der Verkäufer nur, wenn er vorsätzlich oder fahrlässig eine infizierte Kuh verkauft hätte.

Dass er über die Hemmstoff-Virusinfektion Bescheid gewusst habe, sei aber nicht bewiesen: Das stehe wegen der kurzen Inkubationszeit nicht mit Gewissheit fest. Der Verkäufer habe das Tier zwar mit Antibiotika behandelt, das hätte er jedoch auch wegen einer anderen, harmlosen Infektion tun können. Da er die Krankheitsentwicklung und die Ansteckung weiterer Kühe nicht voraussehen konnte, scheide eine Haftung aus.