Knock-out für Check-in-Schalter

Ausfall aller Computersysteme eines Flughafenterminals führte zu erheblicher Flugverspätung: Entschädigung?

onlineurteile.de - Der Rückflug zweier Amerika-Reisender nach Stuttgart im Mai 2016 war nicht gerade vom Glück begünstigt. Am New Yorker Flughafen fiel über 13 Stunden lang die Stromversorgung für die Computersysteme (Primär- und Back-up-Systeme) an den Check-In-Schaltern eines Terminals aus. Ursache dafür waren Probleme bei einem Telekommunikationsunternehmen, wie sich nachträglich herausstellte.

Das Personal der Airline musste alle Bordkarten und Gepäckabschnitte mit der Hand ausfüllen — und das dauerte. Die Maschine flog zu spät ab und landete zu spät am Umsteigeflughafen in London. Deshalb verpassten die Urlauber ihren Anschlussflug nach Stuttgart. Sie mussten auf den nächsten Flug warten. Wegen der erheblichen Verspätung verlangten die Kunden von der Fluggesellschaft eine Ausgleichszahlung.

Das Unternehmen lehnte ab und berief sich auf "außergewöhnliche Umstände", für die es nicht verantwortlich sei. Zu Recht, entschied das Landgericht Stuttgart: Die Passagiere hätten in so einem Fall keinen Anspruch auf Entschädigung nach EU-Fluggastrechteverordnung (5 S 142/17).

Technische Defekte — und dazu gehöre auch der Ausfall eines einzelnen Computers beim Check-in — zählten zwar prinzipiell zur normalen Tätigkeit eines Luftfahrtunternehmens. Im Rahmen der Flugabfertigung müssten Fluggesellschaften mit solchen Vorfällen rechnen, auch mit einem kurzen Ausfall aller primären Systeme. Hier sei es aber um Probleme von anderem Kaliber gegangen.

Auch das Back-up-System habe nicht mehr funktioniert, das komplette Computersystem sei ausgefallen. Und das über einen Zeitraum von mehr als 13 Stunden. So eine Situation könne die Fluggesellschaft nicht beherrschen, daran habe sie nichts ändern können. Deshalb hafte sie auch nicht für die Konsequenzen. Es habe sich um eine Ausnahmesituation gehandelt, mit der man im normalen Flugbetrieb nicht rechnen müsse.