Keine Zeitverträge mehr im Profifußball?

Das Arbeitsgericht Mainz versetzt Fußball-Deutschland in Unruhe

onlineurteile.de - Das war ein Paukenschlag für den Profisport im Allgemeinen und den deutschen Fußball im Besonderen: Vereine dürften mit Profisportlern nicht beliebig oft befristete Arbeitsverträge abschließen, hat das Arbeitsgericht Mainz entschieden (3 Ca 1197/14). Das bereitet den Vereinen und auch dem Deutschen Fußballbund Sorgen: Fußballspieler könne man nicht wie normale Arbeitnehmer einstufen und behandeln, meinen sie.

Geklagt hatte der ehemalige Bundesliga-Torwart Heinz Müller gegen seinen Arbeitgeber, den Fußballverein Mainz 05. Von 2009 bis 2012 stand Müller für Mainz im Tor, mit einem auf drei Jahre befristeten Vertrag. Anschließend schlossen die Parteien einen Zwei-Jahres-Vertrag. Das ist in der Branche so üblich, weil es keine verlässlichen Prognosen in Bezug auf die Leistungsentwicklung von Spielern gibt. Der Verein verwies darauf, dass Müller 2012 schon 34 Jahre alt war. In diesem Alter lasse die Leistung nach, würden die Spieler verletzungsanfälliger.

Müller dagegen hielt die Befristung des Arbeitsvertrags für unwirksam und klagte auf Weiterbeschäftigung. Das Arbeitsgericht Mainz ergriff seine Partei und pochte auf das "Teilzeit- und Befristungsgesetz" (TzBfG). Das Gesetz setzt strikte Grenzen für befristete Arbeitsverträge. Ohne sachlichen Grund für eine Befristung dürfen Zeitvertrage (höchstens) für die Dauer von zwei Jahren abgeschlossen werden. Diverse sachliche Gründe rechtfertigen laut Gesetz eine Befristung, darunter die "Eigenart der Arbeitsleistung".

Doch nach Ansicht des Arbeitsgerichts Mainz ist die Eigenart des Profisports für sich genommen kein Sachgrund für einen befristeten Vertrag: Die altersbedingt ungewisse Leistungsentwicklung eines Spielers erlaube keinen Zeitvertrag. Anders liege der Fall, wenn ein Profisportler selbst nach einer gewissen Zeit den Verein wechseln oder die Konditionen neu aushandeln wolle.

Die Fußballbranche denkt nun über die Einführung eines speziellen Tarifvertrags für Profisportler nach. Der Verein Mainz 05 wird jedenfalls gegen das Urteil Berufung einlegen.