Kartendiebstahl im Supermarkt

Heben Diebe Geld mit Originalkarte plus PIN ab, muss die Bank den Verlust nicht ersetzen

onlineurteile.de - Eine 76 Jahre alte Münchnerin machte ein paar Tage Urlaub in Spanien. Nach einem Einkauf im Supermarkt bemerkte sie an der Kasse, dass ihr Geldbeutel fehlte. Darin befand sich auch die Sparcard ihres "Aktiv-Sparcard-Kontos" bei einer Münchner Bank.

Sofort verständigte die Frau telefonisch ihre Tochter, die bei der Bank anrief und die Karte sperren ließ: um 13:03 Uhr — nur 35 Minuten, nachdem die Karteninhaberin das Malheur entdeckt hatte. Das war wirklich schnell, aber für die professionellen Diebe nicht schnell genug. In der kurzen Zeit holten sie neun Mal Geld an Automaten, insgesamt 2.000 Euro.

Die Bank weigerte sich, der Kontoinhaberin die zu Unrecht abgehobenen Beträge zu ersetzen. Die Frau müsse leichtsinnigerweise ihre PIN im Portemonnaie aufbewahrt haben, denn die Diebe hätten die richtige Geheimnummer eingegeben.

Das bestritt die Kundin: Sie habe selbst noch nie Geld mit der Sparcard am Automaten abgehoben. Die PIN habe sie weder notiert, noch weitergegeben. Die Diebe könnten sich die Geheimnummer nur durch elektronische Manipulation (Skimming) verschafft haben. (Skimming = Auslesen der Daten vom Magnetstreifen der Bankkarte und kopieren auf eine falsche Karte)

Das Amtsgericht München vernahm zu dieser Frage einen Bankexperten (121 C 10360/12). Für die unterschiedlichen Transaktionen an Geldautomaten würden Codes vergeben und zentral erfasst, erläuterte der Zeuge.

Zum Beispiel gebe es für EC-Cash-Zahlungen an einer Kasse oder für Onlinebanking-Vorgänge je einen bestimmten Code. Werde eine falsche PIN eingegeben, stehe im Bankprotokoll Code 55. Hier jedoch habe der Code 14211 gelautet. Demnach habe die Person, die unbefugt Geld abhob, die richtige PIN eingegeben.

Also müsse der Dieb (oder die Diebe) mit der Originalkarte auch die Geheimnummer im Portemonnaie gefunden haben, schlussfolgerte das Amtsgericht. Dass in der kurzen Zeit bis zur Kartensperre eine elektronische Manipulation durchgeführt wurde, sei unwahrscheinlich. Es sei lebensfremd anzunehmen, dass jemand erst eine Originalkarte stehle, um dann mit einer Kartendoublette ohne die gerade gestohlene Originalkarte Geld abzuheben.

Die Karteninhaberin habe wohl doch pflichtwidrig ihre Geheimnummer notiert, entweder direkt auf der Karte oder auf einem Notizzettel, der mit der Karte im Geldbeutel aufbewahrt wurde. Daher müsse die Bank den Verlust nicht ersetzen.