Jagdunfall als Arbeitsunfall?

Jagdgäste sind auch dann nicht gesetzlich unfallversichert, wenn sie als "Ansteller" bei der Jagd mitwirken

onlineurteile.de - Jagdpächter K wurde vom Pächter des Nachbarreviers zu einer Gesellschaftsjagd mit rund 100 Schützen eingeladen. Er sollte als Ansteller teilnehmen, der die Schützen an die Stände führt, sie einweist, Schussbereiche festlegt und die Schützen nach der Jagd wieder abholt. Wie alle Jagdgäste durfte K im Revier auch schießen. Die Ansteller sollten zudem angeschossenes Wild verfolgen.

Als K nach dem Ende der Jagd "seine" Schützen abholen ging, sah er ein angeschossenes Wildschwein zwischen den Bäumen davonlaufen. Sofort rannte K hinterher, um das Tier zu erlegen. Dabei trat er in eine Kuhle im Boden, blieb hängen und brach sich den linken Schienbeinkopf.

Mit dem Argument, er habe zum Unfallzeitpunkt als "stellvertretender Jagdleiter" gehandelt, verlangte K Leistungen von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, der Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung.

Allerdings ohne Erfolg: Letztlich sei er seiner privaten Leidenschaft, der Jagd, nachgegangen, lautete der Bescheid der Berufsgenossenschaft. Dazu gehöre auch die "Nachsuche" nach angeschossenem Wild. Wenn er als Jagdfreund dem Veranstalter einen Gefallen tue und die Schützen an den Ständen einweise, stelle das keine versicherte Tätigkeit dar. Daher sei sein Unfall nicht als Arbeitsunfall einzustufen, für den die Unfallversicherung einspringen müsste.

So sah es auch das Landessozialgericht Hessen und wies des Jägers Klage auf Leistungen ab (L 3 U 128/11). Inhaber des Jagdrechts seien gesetzlich unfallversichert, denn Jagden gehörten zu den landwirtschaftlichen Unternehmen. Das gelte aber nicht, wenn ein Jagdpächter als Gast an einer Jagd in einem anderen Revier teilnehme. Jagdgäste seien nur in Ausnahmefällen unfallversichert.

Wenn ein Jagdgast ein Wildschwein verfolge, um es zu erlegen, stehe die private Freude an der Jagd im Vordergrund. Dabei handle er im eigenen Interesse und nicht "so ähnlich wie ein Arbeitnehmer" im Interesse des Unternehmers. Seine Eigenschaft als Jagdgast verliere ein Schütze auch nicht dadurch, dass er freiwillig den Jagdberechtigten bei der Jagd als Ansteller unterstütze. Solche "Freundschaftsdienste" seien unter Jagdpächtern gang und gäbe.