Jäger schießt sich ins Bein!

Landessozialgericht bejaht einen Arbeitsunfall des "Nebenerwerbsjägers"

onlineurteile.de - Hauptberuflich leitet der Mann einen Betrieb der Dreh- und Frästechnik. Am Unglückstag war er als Jagdleiter einer Jagdgemeinschaft unterwegs, für die er an ca. 70 Tagen im Jahr Revierarbeit leistet (Jagdschutz, Aufstellen von Jagdeinrichtungen etc.). Dafür gab es als Belohnung den Abschuss von Rehwild, einen Arbeitsvertrag hatte der Jäger nicht.

An der Treibjagd nahm er nicht als Schütze teil, als Jagdaufseher sollte er vor allem die so genannte Nachsuche nach angeschossenem Wild übernehmen. Als er nach einem Kaninchen fahndete, löste sich plötzlich ein Schuss aus seinem Jagdgewehr. Der Jäger traf sein rechtes Knie und den Unterschenkel. Für die langwierige Heilbehandlung sollte die gesetzliche Unfallversicherung aufkommen.

Doch die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft verneinte einen Arbeitsunfall: Als Jagdgast sei er nicht versichert. Da jage er aus Freude an der Jagd, auch wenn er nebenbei nützliche Tätigkeiten für den Revierinhaber ausführe. Gegen diesen Bescheid klagte der Jäger: Die Jagdpächter hätten ihn als Jagdleiter eingesetzt. Also sei er nicht als Jagdgast dabei gewesen. Diese Aufgabe sei wie ein Arbeitsverhältnis einzustufen. Dazu gehöre es, angeschossenes Wild aufzuspüren, erlegtes Wild zu bergen und abzutransportieren.

Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen gab dem Verletzten Recht (L 17 U 294/14). Der Jagdleiter habe nicht selbst gejagt, sondern die Jagd überwacht. In den Steinbruch sei er geklettert, um das Kaninchen zu finden. Dabei habe sich der Schuss gelöst. Nachsuche sei keine Jagdausübung, sondern Pflege des Wildbestandes der Jagdgemeinschaft. Angeschossene Tiere würden nicht verfolgt, um sie zu erlegen, sondern um ihnen Schmerzen zu ersparen und sie zu bergen.

Bei Jagden mit mehr als vier Personen müsse ein Jagdpächter einen Jagdleiter bestimmen, der den Schützen und Treibern die Signale bekannt gebe und für einen gefahrlosen Ablauf der Jagd sorge. Der Pächter des Jagdreviers könne das selbst tun oder jemanden gegen Entgelt für diese Position anstellen. Als Jagdleiter handle der Jäger daher "wie ein Beschäftigter" — nicht zu seinem Vergnügen, sondern zum Nutzen und im Interesse des Revierinhabers. Dass der Verletzte eine Jagderlaubnis der Pächter besitze, ändere nichts daran, dass er an diesem Tag als Jagdleiter und nicht als Jagdgast im Revier war.