Getrenntlebender Vater will Söhne nicht sehen

Zum Umgang mit ihren Kindern sind — auch unwillige — Eltern verpflichtet

onlineurteile.de - Anfang 2017 war der Familienvater aus der Ehewohnung ausgezogen. Wegen einer neuen Beziehung trennte er sich von seiner Familie. Die drei Söhne blieben bei der Mutter, das Sorgerecht übten die Eltern gemeinsam aus. Trotzdem sahen die Kinder den Vater nach dessen Auszug nur noch selten. Die Mutter beantragte im Herbst 2019, das Familiengericht solle für regelmäßigen Umgang sorgen: Die Buben vermissten den Vater doch sehr.

Zumindest an einem Sonntag im Monat tagsüber und manchmal in den Ferien müsse er die Jungs zu sich nehmen, ordnete das Amtsgericht an. Unmöglich, erklärte der Mann: Er stehe beruflich und privat total unter Druck. Er arbeite unglaublich viel, habe ein Baby und schlafe nur noch drei bis vier Stunden. Für regelmäßige Besuche der Söhne habe er also überhaupt keine Zeit. Die muss er sich nehmen, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt (3 UF 156/20).

Kinder zu erziehen, sei das Recht und die Pflicht der Eltern — so stehe es im Grundgesetz, erklärte das OLG. Umgekehrt hätten Kinder ein Recht auf Pflege und Erziehung durch die Eltern. Diese müssten ihr Verhalten nach dem Kindeswohl richten. Zum Umgang mit seinen drei Söhnen sei der Vater daher verpflichtet. Die vertraute persönliche Beziehung solle durch Besuche beim Vater aufrechterhalten werden. Das sei für die kindliche Entwicklung von herausragender Bedeutung, betonte das OLG.

Der Vater dürfe sich dieser Verantwortung nicht länger entziehen und seine Erziehungspflicht vernachlässigen. Die Kinder wünschten sich den Kontakt zum Vater, der ihnen fehle. Dass er aktuell "sehr eingespannt und gestresst" sei, habe die vom Amtsgericht getroffene Umgangsregelung ohnehin schon berücksichtigt und die Besuchszeiten sehr eingeschränkt. Darüber hinaus schlug das OLG vor, der Vater sollte dringend seine Prioritäten überdenken.