Flugbuchung im Internet

Reiserücktrittsversicherung darf nur per "opt-in-Verfahren" angeboten werden

onlineurteile.de - Buchungswebseiten für Flüge werden meist so gestaltet, dass Kunden möglichst viele Zusatzangebote mit-buchen, oft auch unfreiwillig. Diese Methoden haben schon des öfteren die Gerichte beschäftigt. Grundsätzlich gilt: Zusätzliche Leistungen dürfen nicht auf "Opt-out"-Basis angeboten werden, d.h. so, dass der Internetnutzer eine vom Anbieter automatisch voreingestellte Option aktiv abwählen muss. Der Gedanke hinter dieser Vorschrift: Flugkunden sollen Zusatzangebote wie z.B. eine Reiserücktrittsversicherung nicht allein deswegen buchen, weil sie eine Abwahl-Möglichkeit übersehen. Sie sollen sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden.

Im konkreten Fall beanstandete der Bundesverband der Verbraucherzentralen ein weiteres Mal die Eingabemaske einer Buchungswebseite. Hier lasen die Internetnutzer auf einem gelben Balken die Warnung: "Reiseschutz nicht vergessen - ohne kann es teuer werden". Zum nächsten Buchungsschritt gelangten die Kunden nur, wenn sie eines von zwei Kästchen anklickten. Da bestand die Wahl zwischen: "Reiserücktrittsversicherung inklusive Reiseabbruch 24 Euro pro Erwachsener" und "Ich verzichte auf einen Reiseschutz und trage im Versicherungsfall alle Kosten selbst".

Da werde mit üblen Konsequenzen gedroht und der Verbraucher unsachlich beeinflusst, damit er die Versicherung abschließe, kritisierte der Bundesverband. Das Landgericht Frankfurt war ebenfalls dieser Ansicht und forderte den Betreiber der Website auf, den Buchungsvorgang anders zu gestalten. Doch der Unternehmer legte gegen das Urteil Berufung ein und hatte damit beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt Erfolg (6 U 33/14).

Dieses Buchungssystem enthalte kein unzulässiges "Opt-out"-Modell, so das OLG. Hier werde der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung nicht automatisch dem Warenkorb hinzugefügt, so dass der Kunde sie aktiv ablehnen müsste. Vielmehr werde den Verbrauchern eine bewusste Entscheidung zwischen zwei Alternativen abverlangt: Die gewünschte müssten sie anklicken, das sei nicht zu beanstanden. Denn beide Möglichkeiten würden dem Kunden klar vor Augen gestellt.

Richtig sei, dass der Webseitenbetreiber die Alternativen nicht "wertneutral" formuliere, räumte das OLG ein. Er lege es den Kunden nahe, eine Versicherung abzuschließen. Das setze aber die Onlinebucher nicht ungebührlich unter Druck. Verständige Verbraucher fassten die Warnung nicht als "Drohkulisse" auf, weil ihnen längst bekannt sei, dass ein Reisestorno oder ein krankheitsbedingter Reiseabbruch Kosten nach sich ziehen.