Fitness-Studiovertrag gekündigt

Berufsbedingter Umzug ist kein Grund, der es rechtfertigt, den Vertrag mit einem Fitnessstudio vorzeitig aufzulösen

onlineurteile.de - Im Oktober 2013 ging ein junger Mann aus Hannover zur Bundeswehr. Zuerst wurde er nach Köln, dann nach Kiel abkommandiert, seit Juni 2014 ist er in Rostock stationiert. Mit einem Fitnessstudio in Hannover hatte der Mann 2010 einen Mitgliedsvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten abgeschlossen. Der Vertrag sollte sich jeweils um zwölf Monate verlängern, falls er nicht gekündigt wurde.

Der frischgebackene Zeitsoldat zahlte ab Oktober 2013 keine Mitgliedsbeiträge mehr an das Fitnessstudio. Den Vertrag, der noch bis zum 31. Juli 2014 lief, kündigte er im November 2013 mit Verweis auf seinen neuen "Job": Da er nun nicht mehr in Hannover wohne, könne er das Studio nicht mehr nutzen. Ungeachtet dessen verlangte der Inhaber des Fitnessstudios von ihm Nutzungsentgelt von Oktober 2013 bis 31. Juli 2014, insgesamt 719 Euro.

Zu Recht, entschied der Bundesgerichtshof (XII ZR 62/15). Beide Vertragspartner könnten zwar so einen langfristigen Vertrag "aus wichtigem Grund" auch außerordentlich kündigen (d.h., ohne die Kündigungsfrist einzuhalten). Allerdings trage grundsätzlich der Kunde das Risiko, dass er wegen einer Veränderung seiner persönlichen Verhältnisse die vereinbarte Leistung des Vertragspartners nicht mehr nutzen könne.

Vorzeitig könnten Kunden den Vertrag nur auflösen, wenn es für sie aus Gründen, die sie nicht beeinflussen könnten, unzumutbar sei, das Vertragsverhältnis bis zum Ende oder bis zum Ablauf der Kündigungsfrist fortzusetzen. So ein Umstand liege beispielsweise vor, wenn ein Kunde schwer erkranke oder eine Kundin schwanger werde.

Das gelte jedoch nicht für einen Umzug, selbst dann nicht, wenn jemand versetzt werde. Die Gründe für einen Wechsel des Wohnsitzes lägen in der Regel allein im Verantwortungsbereich des Kunden, seien sie nun beruflicher oder familiärer Natur. Besondere Umstände, die es im konkreten Fall für den Kunden unzumutbar machten, das Entgelt bis zum Vertragsende zu zahlen, seien nicht ersichtlich.