EC-Karte verloren

Wenn der Finder 30 Minuten nach dem Verlust einer ec-Karte 1.000 DM abhebt, spricht das dafür, dass er auch die Geheimzahl gefunden hat

onlineurteile.de - Während einer Zugfahrt bemerkte eine Frau, dass sie ihre Geldbörse verloren hatte, in der sich auch ihre ec-Karte befand. Sie meldete den Verlust sofort nach der Ankunft am Bahnhof ihrer Bank. Bereits eine halbe Stunde nach dem Verschwinden der Geldbörse waren jedoch mit der ec-Karte 1.000 DM abgehoben worden. Die Kundin verlangte von ihrer Bank, die Lastschrift rückgängig zu machen.

Das Amtsgericht Diepholz wies ihre Klage ab (2 C 354/95 I). Laut den Sonderbedingungen für ec-Karten müsse jeder Kunde dafür sorgen, dass die Geheimzahl, die zum Abheben von Geld an Automaten nötig sei, wirklich geheim bleibe. Vor allem dürfe die so genannte PIN nicht auf der Karte vermerkt oder zusammen mit dieser aufbewahrt werden.

Die Bankkundin hatte zwar behauptet, sie habe die Geheimzahl nicht notiert, sondern sofort nach Erhalt auswendig gelernt und die Mitteilung vernichtet. Doch das Gericht glaubte ihr nicht: Es sei unmöglich, innerhalb von 30 Minuten die Geheimnummer mit einem Computer zu ermitteln. Daher müsse die Karteninhaberin die PIN auf der Karte oder im Portemonnaie notiert und so dem Täter grob fahrlässig ermöglicht haben, mit der ec-Karte unbefugt Geld abzuheben. Die Bank sei unter diesen Umständen nicht verpflichtet, den Schaden zu ersetzen.