Diskriminierende Kündigung

Praxisgemeinschaft weist im Kündigungsschreiben darauf hin, dass die Arbeitnehmerin "pensionsberechtigt" ist

onlineurteile.de - Frau X arbeitete im Labor einer Arztpraxis. Ein halbes Jahr vor der Altersrente kündigte ihr die Praxisgemeinschaft. Im Kündigungsschreiben hieß es: "inzwischen bist Du pensionsberechtigt und auch für uns beginnt ein neuer Lebensabschnitt in der Praxis im kommenden Jahr". Diese Anspielung auf ihr Lebensalter hielt Frau X für diskriminierend, sie klagte gegen die Kündigung.

Das Bundesarbeitsgericht erklärte die Kündigung für unwirksam (6 AZR 457/14). Frau X habe im Labor die gleichen Arbeiten wie andere Kolleginnen ausgeführt, ihre Qualifikation sei ebenfalls die gleiche. Daher stelle sich die Frage, wieso man ausgerechnet Frau X gekündigt habe. Der Hinweis auf die Pensionsberechtigung könnte ein Indiz dafür sein, dass sie wegen ihres Alters ausgewählt worden sei.

Die Praxisgemeinschaft als Arbeitgeber habe die einschlägige Bemerkung wohl kaum geschrieben, um die Kündigung so freundlich wie möglich zu formulieren. Wenn der Arbeitgeber so einen Hinweis einfließen lasse, sei es wahrscheinlich, dass die soziale Absicherung bei der Auswahl eine Rolle gespielt habe. Die Möglichkeit, Altersrente zu beziehen, sei vom Lebensalter der Angestellten nicht zu trennen.

Wenn das Lebensalter einer Arbeitnehmerin ausschlaggebend für die Kündigung sei, sei diese diskriminierend im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und damit unwirksam. Daher müsse die Ärztegemeinschaft der Angestellten bis zum Renteneintritt weiterhin Arbeitslohn zahlen.