"Die schönsten Wanderwege der Wanderhure"

Verleger der Mittelalter-Buchreihe kann den Verkauf dieser Satire nicht verhindern

onlineurteile.de - Die Bestseller-Buchreihe "Die Wanderhure", herausgegeben vom Münchner Verlag Knaur, war ein großer Erfolg. Umso eifersüchtiger wacht der Verleger über seinen "Bücherschatz". Als der Verlag Voland & Quist ein Buch mit dem Titel "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" veröffentlichte, sah der Münchner Verlag seine Titelrechte verletzt und zog vor Gericht.

Dabei ist der Vorwurf, der sächsische Kleinverlag schwimme als "Trittbrettfahrer" in der Erfolgswelle der Mittelalter-Geschichten von der Wanderhure mit, ziemlich abwegig. Denn einige der Kurzgeschichten des Autors Julius Fischer, die unter diesem Titel erschienen, setzen sich gerade ironisch-kritisch mit Bestsellern wie der "Wanderhure" auseinander.

Das Landgericht Düsseldorf hatte den Verkauf des Buches "Die schönsten Wanderwege der Wanderhure" mit der Begründung verboten, der Titel sei nicht als Satire zu erkennen. Also nutze das Werk den Erfolg der Wanderhuren-Buchreihe in unlauterer Weise aus. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf korrigierte diese Bewertung und hob das Urteil der Vorinstanz auf (I-20 U 63/14).

Zwar seien die Bücher der Wanderhuren-Reihe sehr bekannt und ihr Titel schon deshalb gemäß Markengesetz geschützt, so das OLG. Ihn zu einem ironischen neuen Titel umzuformulieren, sei jedoch nicht rechtswidrig, selbst wenn damit die Bekanntheit der Buchreihe ausgenutzt werde. Der Autor knüpfe an die Buchreihe nur an, um sie zu parodieren. Die ironische Formulierung kombiniere kreativ das heutige Vergnügen an "schönen Wanderwegen" mit der mittelalterlichen "Wanderhure".

Der von Fischer gewählte Titel sei selbst Kunst und durch die grundgesetzlich garantierte Freiheit künstlerischen Schaffens gedeckt. Er beziehe sich vor allem auf das erste Kapitel des Buches, in dem der Autor die Wanderhuren-Buchreihe als Beispiel aufgreife, um die aggressive Vermarktung von Bestsellern auf dem Buchmarkt von heute kritisch zu beleuchten. Dieser Kritik müsse sich der Münchner Verlag stellen.